Nachgefragt: Helmut Ruwisch, Chef der Indus Holding AG
„Wir führen Lebenswerke fort“

Helmut Ruwisch, Vorstandsvorsitzender der Indus Holding AG, hat in einem Gespräch mit dem Handelsblatt zu Strategie und Philosophie des Unternehmens Stellung genommen.

Handelsblatt: Wie viele Anfragen hinsichtlich einer möglichen Unternehmensübernahme bekommen Sie jährlich?

Helmut Ruwisch: Wir erhalten im Jahr rund 100 Anfragen für eine mögliche Firmenübernahme. Ein großer Teil dieser Angebote (etwa 90 %) fällt dabei direkt durch unser Raster, da er nicht unseren Kriterien entspricht. Letztendlich schauen wir uns im Jahr etwa zehn bis 15 potenzielle Unternehmen genauer an.

Welches sind Ihre Auswahlkriterien für Unternehmen, die Sie in die engere Wahl nehmen?

Wir investieren ausschließlich im klassischen Mittelstand und setzen dort auf profitable Nischenanbieter, die in ihren jeweiligen Märkten exzellent positioniert sind und über eine breite Abnehmerstruktur verfügen. Der Grund für den Verkauf ist meist die Suche nach einer Nachfolgelösung. Wir erwerben im ersten Schritt die Mehrheit an dem Unternehmen und streben langfristig immer 100 % an.

Sind die Zeiten für Zukäufe derzeit besonders günstig?

Bei den für uns interessanten Gesellschaften hat sich das Preisniveau in den vergangenen Jahren nicht verändert. Wir setzen auf renditestarke Nischenanbieter, und Qualität hat eben auch in der Rezession ihren Preis.

Werden Sie möglicherweise die Zahl Ihrer Akquisitionen doch deutlich steigern?

Die Einbindung einer neu erworbenen Gesellschaft in die HoldingStruktur ist sehr aufwendig. Daher lassen sich – abhängig von der Größe der Unternehmen – lediglich zwei bis vier neue Töchter im Jahr sinnvoll integrieren.

Ziehen Sie eine Kapitalerhöhung in Betracht? Welche anderen Finanzierungsmöglichkeiten kommen für Sie noch in Frage?

Insbesondere vor dem Hintergrund der Stimmung am Kapitalmarkt ist bei uns eine Kapitalerhöhung zurzeit kein Thema. Auf Grund unseres langfristigen und stabilen Erfolgs haben wir verschiedene attraktive Finanzierungsmöglichkeiten vom syndizierten Kredit über Asset Backed Securites bis hin zu Schuldscheindahrlehen, die wir mittelfristig auflegen wollen, so dass wir uns auf dem Gebiet Finanzierung bestens gerüstet sehen.

Warum verkaufen Sie Ihre Beteiligungen nicht wieder?

Indus führt Lebenswerke fort. Das ist ein Eckpfeiler unserer Unternehmensphilosophie. Nicht zuletzt deshalb werden uns interessante, über lange Jahre erfolgreiche Unternehmen zum Kauf angeboten. Aus diesem Grund kommen für uns Verkäufe nicht in Betracht. Selbst wenn sich Märkte und Produkte nachhaltig ändern, fühlen wir uns dieser Philosophie verbunden. Bei nachhaltigen Änderungen von Nischen haben wir einzelne Unternehmen strategisch neu ausgerichtet, so dass sie jetzt wieder äußerst erfolgreich agieren.

Einige Analysten vermissen bei der Indus AG die nötige Phantasie. Wie können Sie die Phantasie der Börsianer stimulieren?

Phantasie heißt bei Indus nicht potenzieller Exit, sondern Stabilität hinsichtlich Risiko und Ertrag.

Die Fragen stellte Ingo Reich.

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