Nachgefragt
"Komplexes bürokratisches Ungetüm"

Das Handelsblatt im Gespräch mit Mark Wahrenburg, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Frankfurt/Main, über Basel II, die Amerikaner und Alternativen.

Basel II droht eine Verzögerung. Wäre das schlimm?

Die meisten positiven Wirkungen von Basel II sind bereits heute wirksam: Banken haben ihr Risikomanagement im Bereich Kreditrisiko und operationales Risiko deutlich verbessert und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise verringert. Der Schaden einer Verzögerung liegt vor allem darin, dass noch mehr Managementzeit und Kosten in den Prozess fließen. Die Banken haben Wichtigeres zu tun.

Sind die Amerikaner noch an Basel II interessiert?

Die Amerikaner waren niemals ernsthaft an Basel II interessiert. Schon vor geraumer Zeit wurde dort entschieden, die US-Banken nicht durch zusätzliche Regulierungskosten zu belasten. Daher wurde die Anwendung von Basel II auf die zehn größten Banken beschränkt. Diese Banken sind aber bereits heute Basel-II- tauglich und haben nur geringe Umstellungskosten.

Brauchen wir Basel II?

Wir brauchen stabile Banken, die ihre Risiken im Griff haben und auf deren Kreditwürdigkeit der Anleger vertrauen kann. Dieses Ziel kann über eine Eigenkapitalregulierung wie Basel II erreicht werden. Allerdings hat sich Basel II von einer guten Idee zu einem komplexen, bürokratischen Ungetüm entwickelt. Von der ursprünglichen Idee, Komplexität durch die Nutzung vorhandener bankinterner Systeme zu reduzieren, ist nicht viel übrig geblieben. Angesichts der immensen Kosten von Basel II stellt sich die Frage nach Alternativen.

Welche Alternativen gibt es?

Für Großbanken reicht ein liquider Markt für nachrangige Bankanleihen mit externen Ratings. Wenn der Kapitalmarkt zu guten Konditionen nachrangiges Kapital zur Verfügung stellt, hat die Aufsicht keinen Grund, an der Stabilität der Bank zu zweifeln.

Was machen kleinere Banken?

Kleine Banken könnten Institutssicherungssystemen wie dem derzeit im Sparkassensektor diskutierten Verbundsystem beitreten. Der Verbund würde nachrangige Anleihen emittieren und dadurch seine Kreditwürdigkeit sicherstellen. Die Überwachung des Risikomanagements einzelner Banken würde dann zum großen Teil dezentral innerhalb des Verbunds statt zentral durch eine Aufsichtsbehörde erfolgen.

Die Fragen stellten Marietta Kurm-Engels und Christian Potthoff.

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