Nachhaltigkeit
Entscheider wollen den Plan B

Die Kunden der Consultingbranche verlangen flexible Strategien, um in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Der Wunsch nach Nachhaltigkeit rückt dabei in der Beratung zunehmend in den Vordergrund. Interne Berater laufen externen Kräften immer öfter den Rang ab.
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KÖLN. Die Methode existiert seit Jahrzehnten, doch für Burkhard Schwenker ist sie aktueller denn je. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Roland Berger will die sogenannte Szenariotechnik weiterentwickeln, mit der seine Berater Kunden auf turbulente Zeiten vorbereiten sollen.

Auf viele Fragen gebe es keine klare Antwort mehr, sagt Schwenker, und führt die Expansion in neue Märkte als Beispiel an: „Eine Reihe von Firmen hat die Produktion aus China nach Europa zurückgeholt, amerikanische Unternehmen verlagern ihre Call-Center aus Indien wieder in die USA.“ Die üblichen Prognosemodelle genügen nicht mehr: „Trends ändern heute schnell ihre Richtung, sie lassen sich nicht einfach fortschreiben.“

Wer weiß, wie er auf denkbare Marktentwicklungen reagieren kann und gute Pläne in der Schublade hat, ist im Wettbewerb im Vorteil – diese These vertritt Roland Berger seit langem. Nun untermauert die Strategieberatung ihre Bemühungen wissenschaftlich: Mit der Leipzig Graduate School of Management hat Roland Berger das HHL Center for Scenario Planning eingerichtet, dem Schwenker als akademischer Direktor vorsteht. „Es spielt eine große Rolle, weil es die Szenariodatenbanken pflegt, auf die unsere Berater zugreifen können“, sagt er.

Der Planungshorizont wächst

Der Wunsch nach Nachhaltigkeit rückt in der Beratung in den Vordergrund. „Die Kunden denken langfristiger“, sagt BDU-Präsident Antonio Schnieder. „Sie erwarten, dass die Strategieberater ihnen Wege zeigen, wie sie künftig besser durch schwierige wirtschaftliche Phasen kommen.“ Der Szenario-Ansatz trifft damit auf ein steigendes Bedürfnis nach verlässlicher Planung. „Deutsche Unternehmen haben die Szenariotechnik lange vernachlässigt“, sagt Schnieder. „Die Wucht der Krise hat dazu geführt, dass ein Umdenken eingesetzt hat.“ Berater Schwenker spricht gar von einer „Renaissance“ der Methode: „Das Vertrauen in Zahlen ist verloren gegangen“, sagt er. „Heute geht es darum, unterschiedliche Bilder zu entwerfen und darüber zu reden.“

Nicht alle Consultants teilen diese Meinung. Marktbeobachter werfen Teilen der Branche vor, noch alten Denkmustern verhaftet zu sein. „Viele Berater sind im Thema Nachhaltigkeit nicht zuhause“, sagt Lorenz Forchhammer, Vorstand der Beratungsfirma Comteam. „Sie orientieren sich daran, hohe Erträge zu generieren und machen normales Prozessmanagement. Doch mit schnellen Kostensenkungen kann ein Unternehmen auch seine Infrastruktur zerstören.“ Die meisten deutschen Betriebe seien bereits ordentlich aufgestellt, sagt Forchhammer. „Es gibt keinen Speck mehr.“

Gerade große Unternehmen haben zuletzt ihre Prozesse immer wieder auf Sparpotenziale durchforstet, Umstrukturierung gehört zum Alltag. Viele vertrauen dabei verstärkt auf eigene Kräfte. Einer Studie der European Business School zufolge haben zwei Drittel der Dax-Konzerne bereits eigene Consultingfirmen aufgebaut.

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