Nachrangige Darlehen und Beteiligungen gewinnen an Bedeutung
Kfw bietet Mittelständlern mehr alternative Finanzierungen an

Die Bundesregierung will die Finanzierungsbedingungen für den Mittelstand verbessern."Wir haben den Auftrag vom Bundeskanzler, uns darum zu kümmern", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in Berlin, ohne jedoch ins Detail zu gehen.

BERLIN. Konkreter Anlass ist eine Ifo-Umfrage unter 1100 Unternehmen, nach der mehr Betriebe investieren würden, wenn sich die Finanzierungsbedingungen in Deutschland verbesserten. Dies Problem von den Befragten als eine der Hauptbremsen für ein stärkeres Wirtschaftswachstum gebrandmarkt. Zusätzlichen Druck auf die Bundesregierung üben Veränderungen auf dem Finanzmarkt aus. Die klassische Finanzierung deutscher Unternehmen durch den Bankkredit werde infolge des Eigenkapitalmangels immer mehr in Frage gestellt, hieß es.

"Kleinere und mittlere Unternehmen müssen stärker Zugang zu Krediten bekommen", forderte Hans W. Reich, Vorstandsprecher der staatlichen KfW Bankengruppe. Dabei vermied es Reich allerdings, die Kreditvergabepraxis der Banken zu rügen. Die Kosten- und Ertragskrise des deutschen Finanzsektors sei noch lange nicht überwunden, so Reich. Unter dem Druck der Märkte werde eine stärkere Eigenkapitalrentabilität der privaten Banken verlangt. Die KfW komme nicht umhin, ihre Förderung am veränderten Finanzierungssystem auszurichten. Der KfW-Chef unterrichtete gestern das Bundeskabinett über die Mittelstandsförderung ein Jahr nach der Fusion von KfW und DTA zur KfW-Mittelstandsbank.

Neue Aufgabe

Die KfW sieht sich vor eine neue Aufgabe gestellt. "Die Förderung über das bankenorientierte Finanzierungssystem mit der bislang herausragenden Funktion des Firmenkredits ist – wie die gesamte Mittelstandsfinanzierung – einem Veränderungsprozess unterworfen", erklärte ein KfW-Sprecher auf Nachfrage. Niemand könne kleine und mittlere Unternehmen vor dieser Entwicklung schützen, doch Strukturveränderungen sollten durch geeignete Förderinstrumente abgemildert werden.

Zwar werde die Bereitstellung günstiger Langfristkredite auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe der KfW bleiben. Doch dies allein werde nicht ausreichen, um eine angemessene Finanzierung des Mittelstands zu sichern, urteilt der Sprecher. Als Beispiel für eine "systemische Änderung" nannte Reich das Finanzierungsprogramm "Unternehmerkapital". Mit so genanntem Mezzanine-Kapital wird es mittelständischen Unternehmen ermöglicht, die Lücke zwischen Eigen- und Fremdkapital zu schließen. Konkret werden dabei Nachrangigkeitsdarlehen mit langer Laufzeit von bis zu zwei Mill. Euro vergeben, die Haftkapitalcharakter haben.

In den ersten sieben Monaten wurden entsprechende Kredite von deutlich über 200 Mill. Euro vergeben, sagte Reich. Damit steigt auch wieder die Kreditwürdigkeit der Unternehmen, denn "die zu schwache Eigenkapitalbasis kleiner und mittlerer Unternehmen ist der entscheidende Grund für die Kreditzurückhaltung der Banken", so Reich. Erste positive Erfahrungen hat die KfW mit ihren risikodifferenzierten Margensystemen bei Mezzaninekapitalangeboten gemacht. Für schlechte Bonitäten würden die Kosten zwar steigen, doch der Zugang zu Förderkrediten bleibe gesichert.

Bei der Finanzierungskrise des deutschen Mittelstands gibt es nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) keine Entwarnung. "Die Banken machen den mittelständischen Unternehmen immer deutlicher klar, dass bestimmte Branchen und Betriebsgrößen uninteressant für sie sind", sagte ASU-Präsident Max Schön dem Handelsblatt. Die Aufnahme von Investoren wäre ein Ausweg, stoße aber bei Mitgliedern auf Vorbehalte.

Quelle: Handelsblatt vom 26.08.2004 Seite 20

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