Nahrungsmittel: Agrarsektor zeigt sich krisenfest

Nahrungsmittel
Agrarsektor zeigt sich krisenfest

Die amerikanische Regierung prognostiziert weltweit reichliche Ernten - und löst damit kurzfristig einen Preissturz aus. Die Erholung im Agrarsektor gerät ins Stocken. Warum Analysten dennoch mit einer langfristigen Verteuerung rechnen.

LONDON/DÜSSELDORF. Der Schock währte zwar nur kurz, doch das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat mit seinem viel beachteten Ausblick den Aufwärtstrend der Agrarpreise jäh gestoppt. Denn anders als bei vielen anderen Rohstoffen haben sich die Börsennotierungen landwirtschaftlicher Güter wie Weizen oder Mais bereits klar von ihren Tiefständen gelöst. Analysten sehen keine Umkehr dieses Trends und rechnen mit weiter anziehenden Notierungen.

Das Ministerium (USDA) hat weltweit reichliche Ernten und steigende Vorräte bei Weizen, Sojabohnen und Mais vorausgesagt. Die Weltweizenernte werde im laufenden Wirtschaftsjahr 2008/09 mit 684 Mio. Tonnen sogar um zwölf Prozent steigen. Auch bei Mais erwartet das USDA bessere Ernten. Die Märkte reagierten prompt: Die Preise der Agrarrohstoffe sackten ab und büßten einen guten Teil der seit Anfang Dezember verzeichneten Gewinne ein.

"Die Erholung stockt durch die jüngsten Daten, wird aber nicht umgedreht", sagt Manfred Wolter, Agrarexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Es war ein sehr negativer Ausblick des Landwirtschaftsministeriums", sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Nachfrage sei stärker gefallen und die Lagerbestände stärker gestiegen als erwartet. Die schlechten Nachrichten seien in den aktuellen Preisen aber bereits enthalten.

Die jüngsten Preisentwicklungen machen deutlich, dass sich die Agrarmärkte in vielerlei Hinsicht von den anderen internationalen Rohstoffmärkten absetzen. So hat die Abschwächung der Weltwirtschaft und der damit verbundene Nachfragerückgang die Preise der Industriemetalle nicht nur abstürzen lassen, sondern hält sie auch auf niedrigem Niveau. Der Agrarbereich ist hingegen nur indirekt betroffen: Die Farmer reagieren eben anders als Industrieunternehmen, die angesichts des kräftigen Preisrückgangs ihre Produktion immer weiter zurückfahren und so das Angebot verknappen. "Bauern werden ihre Agrarflächen nicht einfach liegen lassen", sagt Wolter. Wenn steigende Lagerbestände auf die Preise drücken, werde an anderer Stelle gespart, etwa bei Düngemitteln. Die Finanz- und Wirtschaftskrise trifft den Agrarsektor aber insofern, als dass auch für ihn der Zugang zu Krediten schwieriger geworden ist.

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