Neue Bilanzregeln
Die Umstellung ist ein Mammutprojekt

Für den deutschen Mittelstand geht es in die kritische Phase. Mit der Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) steht ein Mammutprojekt an. Wirtschaftsprüfer raten den Firmen die kritische Punkte zügig zu klären. Besonders große Herausforderungen sehen die Experten bei der Finanzierung.
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FRANKFURT. "Einige Firmen fangen jetzt erst an, ihre Jahresabschlüsse umzustellen", sagt Christian Zwirner von der Kanzlei Kleeberg. "Ich halte das für sehr spät, wenn man bedenkt, an wie vielen Schnittstellen im Unternehmen die externe Rechnungslegung relevant ist."

Zahlen für 2010 kaum vergleichbar

Den meisten Firmen ist klar: Ab diesem Jahr müssen sie den Einzelabschluss nach den BilMoG-Regeln aufstellen, nicht-börsennotierte Betriebe sogar den Konzernabschluss. Sie wissen auch, dass die Zahlen für 2010 kaum noch mit den Vorjahren vergleichbar sein werden. "Doch um die Sekundärfolgen der BilMoG-Umstellung kümmern sich die Unternehmen zu wenig", sagt Klaus Heininger von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Falk & Co.

Viele Verträge nehmen aber Bezug auf die externe Rechnungslegung. Bei leitenden Angestellten ist eine erfolgsabhängige Vergütung, die auf Ergebniskennzahlen basiert, oft Bestandteil der Arbeitsverträge. Steuerberater Zwirner fürchtet, dass es im Zuge der BilMoG-Umstellung zu Spannungen zwischen Geschäftsführern und Gesellschaftern kommen kann. Denn für bestimmte Gewinne gibt es künftig eine Ausschüttungssperre. Ein Beispiel: Die Aktivierung von Entwicklungskosten erhöht das Jahresergebnis. Wenn der Geschäftsführer eine von Ertragskennzahlen abhängige Vergütung hat, erhält er dadurch ein höheres Gehalt. Der Gesellschafter profitiert vom höheren Ergebnis aber nicht, da er diese Gewinne nicht ausschütten darf.

Um solches Konflikpotenzial zu identifizieren, empfehlen Experten die zeitnahe Durchführung einer Vertragsinventur, also die Durchsicht aller Verträge auf Anpassungsbedarf. "Wenn man unterstellt, dass sich die Vertragsparteien gut verstehen, kann man die Verträge auch nächstes Jahr noch anpassen", sagt Zwirner. "Ich mache aber immer wieder die Erfahrung, dass es bei Vertragsauslegungen zu Streitereien kommen kann."

Noch größere Herausforderungen sehen die Wirtschaftsprüfer bei der Finanzierung - besonders dann, wenn Zusatzklauseln mit der Bank vereinbart sind. Häufig sind diese Kreditvereinbarungen an das Erreichen von bestimmten Mindesteigenkapitalquoten oder maximalen Verschuldungsgraden gekoppelt. Unternehmen sollten daher prüfen, ob sie diese Zusicherungen nach der Umstellung noch erfüllen können.

Die neuen Vorschriften führen beispielsweise zu höheren Pensionsrückstellungen. Dadurch verringert sich die Eigenkapitalquote. Zwar können die Firmen den Betrag über 15 Jahre verteilen. "Die Kreditgeber werden sich aber die künftigen Auswirkungen auf die Bilanz im Anhang genau anschauen und möglicherweise zu einem neuen Bonitätsurteil gelangen", merkt Wirtschaftsprüfer Heininger an. Ist das Verhältnis bereits angeknackst, liefert das Unternehmen der Bank unter Umständen einen Kündigungsgrund. Konflikte aus dem Gesetz heraus sind daher programmiert.

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