Neue Geschäftsfelder
Aktenvernichtern fehlt das Papier

Die professionelle Entsorgung von Papier-Akten erlebte in den Neunziger Jahren einen regelrechten Boom, als Unternehmen ihre Archive im großen Stil digitalisieren ließen. Bei den Großkunden, bei denen viel Papier anfiel, sind die Digitalisierungsprojekte inzwischen aber weitgehend abgeschlossen. Jetzt setzt die Branche auf elektronische Zusatzleistungen.

BERLIN. Bei Reisswolf in Hamburg schreddert man schon lange nicht nur Akten: „Wir bieten seit vier Jahren auch die Lagerung von Akten an“, sagt Geschäftsführer Jan Möller. Auch Festplatten entsorgt Reisswolf inzwischen - ein wachsendes Geschäft, so Möller: „Demnächst wollen wir außerdem die Sicherung von Netzwerken als neues Angebot einführen.“

Die professionelle Entsorgung von Papier-Akten mit wichtigen Daten erlebte in den Neunziger Jahren einen Boom, als Konzerne ihre Papierarchive im großen Stil digitalisieren ließen. Bei den Großkunden, bei denen viel Papier anfiel, sind die Digitalisierungsprojekte inzwischen aber weitgehend abgeschlossen. Und Aktenvernichter-Firmen wie Reisswolf erschließen sich neue Geschäftsfelder. „Die Zukunft liegt in der Archivierung von elektronischen Dokumenten“, glaubt Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Project Consult in Hamburg. „Da gibt es einen großen Bedarf.“

Aktenvernichterfirmen empfiehlt Kampffmeyer, selbst Scandienste und elektronische Archive anzubieten. „Oder die hybride Archivierung, bei der parallel auf Papier und elektronisch verwaltet wird.“ Viele Aktenvernichter haben diese Angebote schon in ihr Portfolio aufgenommen. Die Kunden können die Unterlagen abgeben und bei Bedarf abfragen. Sie sparen Platz und Verwaltungskosten.

Aus Kostengründen verlegen die Anbieter Erfassung und Indizierung des Materials oft ins Ausland, weiß Archiv-Fachmann Ulrich Kampffmeyer. Die Firma Reisswolf etwa hat 43 Franchise-Partner im Ausland. „Meistens sind wir dabei mit unseren Kunden mitgegangen“, sagt Firmenchef Möller.

Doch das klassische Geschäft der Aktenvernichter ist keineswegs tot. Bernhard Zöller, Vorstandsmitglied des Verband Organisations- und Informationssysteme (VOI) sieht durchaus noch einmal neues Potenzial für die Papier-Schredder: „Mittelständische Anwender können sich die entsprechende Technik erst seit einigen Jahren leisten. Deshalb entscheiden sich diese Unternehmen vielleicht auch erst jetzt dazu, ihre Archive digitalisieren zu lassen.“

Und das Vertrauen in elektronische Archive sei gestiegen; die Furcht, alte Papierdokumente zu vernichten, gesunken. „Mit regelmäßigen Backups sind Akten heute elektronisch besser aufbewahrt als in Aktenordnern auf Papier“, betont Zöller.

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