Neue Leasingstrategien: Asbach macht flüssig

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Neue Leasingstrategien
Asbach macht flüssig

Immobilien, Maschinen und Fahrzeuge sind die üblichen Klassiker im Leasinggeschäft. Doch einige Pioniere im Markt trauen sich jetzt auch zunehmend an den Verkauf und das Zurück-Mieten (Sale-and-Lease-Back) immaterieller Güter wie Patente, Lizenzen und Markenrechte.

FRANKFURT. Vor allem bei den Markennamen sehen viele Finanzierungsspezialisten noch ungehobene Schätze. „Die Vorteile liegen auf der Hand. Das Leasing von Markenrechten ist eine gute Möglichkeit, stille Reserven zu mobilisieren und eine zusätzliche Finanzierungsquelle zu erschließen. Die Bilanzstruktur kann so nachhaltig verbessert werden“, sagt Thomas Ignatzi, der in Hamburg für die HSH Nordbank die Firmenkundenbetreuung leitet. Die HSH hat zusammen mit der Leasinggesellschaft AGV und der Kreissparkasse Köln für die Spirituosenmarke „Asbach“ der Firma Underberg eine „Sale-and-Lease-Back“-Transaktion arrangiert. Dabei hat die Leasinggesellschaft das Markenrecht vom Kunden erworben und an ihn zurückgeleast. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit – üblicherweise fünf bis zehn Jahre – kauft der Unternehmer die Rechte zurück.

Allerdings ist das Leasing von Marken viel anspruchsvoller als die gängigen Finanzierungen, in erster Linie wegen der Bewertung der Marke. „Ganz wichtig ist die Pflege der Marke durch den Leasing-Nehmer. Dafür muss ein komplexes Regelwerk mit klaren Anforderungen erstellt werden“, sagt Willi Ams, Geschäftsführer bei der AGV Structured Finance.

Dreh- und Angelpunkt beim Marken-Leasing ist nach Angaben von Branchenbeobachtern die Garantie, dass der Wert über die Jahre nicht leidet und dass im „Fall der Fälle“ – sprich der Insolvenz – die Marke zu einem hohen Preis veräußert werden kann. Daher muss ein Gutachten durch eine unabhängige Bewertungsagentur für Marken als Grundlage erstellt werden.

Wegen der Kosten für Dokumentation und Wertgutachten lohnt sich das Marken-Leasing erst ab circa fünf Millionen Euro Geschäftsvolumen, sagt HSH-Experte Ignatzi. Das Interesse an der Mobilisierung von Markenrechten sei hoch. Die HSH Nordbank rechnet nach dem „Pionierabschluss“ für die Marke Asbach mit weiteren Transaktionen in diesem Jahr. Da selbst geschaffene Marken von mittelständischen Unternehmen gemäß HGB nicht aktiviert werden könnten, sei das Leasing eine gute Alternative, diese Werte freizusetzen. Gerade Unternehmen, die über starke regionale Marken verfügen, sollten diese Alternative prüfen. Oft sei den Mittelständlern nicht bewusst, wie werthaltig die immateriellen Assets sind.

In Marken schlummerten häufig Werte, die bisher selten für Finanzierungs- bzw. Besicherungszwecke eingesetzt wurden, hat Stefan Böhlich, Leiter Lease Finance bei der Dresdner Bank, beobachtet. Andere Bankmanager sagen, dass oftmals nur noch die Markenrechte und Patente nicht als Sicherheiten herhalten müssen und hier der letzte Spielraum für freie Finanzierungsmöglichkeiten ist. Auf allen anderen Vermögensteilen hätten die Banken oft schon die Hand drauf. Allerdings gibt es auch Vorbehalte: „Marken sind natürlich hoch emotional, viele Familienunternehmer wollen sie nicht an eine Zweckgesellschaft verkaufen. Wir sehen hier aber trotzdem echtes Potenzial“, sagt Dresdner-Bank-Manager Böhlich.

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