Neue Liquiditätsvorschirften
Kredite für Unternehmen werden teurer

Mit Basel III müssen sich Banken künftig nach neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln richten. Dadurch steigen nicht nur die Anforderungen bei der Kreditvergabe, auch die höheren Kosten werden die Banken weitergeben.

FrankfurtAuf den ersten Blick wirkt die Lage am Kreditmarkt entspannt. Die Banken haben ihre Kreditvergabekonditionen in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt gelockert. Daten des Ifo-Instituts zufolge beurteilte zum Beispiel nur etwa jedes fünfte Unternehmen im August die Kreditvergabepolitik der Banken als restriktiv. Das ergibt sich aus dem Kredithürdenindex des Münchener Instituts. Und auch Martin Blessing, der Chef der Commerzbank, betonte jüngst auf einer Handelsblatt-Tagung, dass er mit keiner Kreditklemme rechne.

Sorgen machen sich viele Unternehmer in diesen Tagen dennoch. Sie haben während der vergangenen Jahre, als die Finanzkrise am heftigsten tobte, erlebt, wie schnell Banken ihre Vergabebereitschaft einschränken und den Kredithahn zudrehen können. Deshalb versuchen sich immer mehr Unternehmen, sich möglichst unabhängig von Bankkrediten zu machen. Diese Strategie könnte sich als durchaus sinnvoll erweisen. Denn die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln von Basel III werden dazu führen, dass die Banken ihre Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Folge: In den meisten Fällen wird sich das Darlehen für ein Unternehmen verteuern, warnen Fachleute.

Basel III besteht aus zwei Teilen. Im ersten geht es darum, mit wie viel Eigenkapital Banken künftig ihr Kreditgeschäft unterlegen müssen und wie sich dieses Eigenkapital der Banken zusammensetzen muss. Die Kriterien dafür werden künftig deutlich strenger ausfallen, und Banken müssen ihre Kapitaldecke deutlich erhöhen. Weniger beachtet, aber nicht minder wichtig sind die neuen Liquiditätsvorschriften, die etwas später eingeführt werden als die Kapitalregeln.

Zwei Liquiditätskennziffern sind danach künftig wichtig: Zum einen müssen die Banken eine kurzfristige Liquiditätskennzahl erfüllen. Sie besagt, dass ein Geldhaus ausreichende Liquidität vorhalten muss, um einen Zeitraum von 30 Tagen zu überstehen - unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in dieser Zeit Einlagen von Kunden und andere Finanzierungsmittel abfließen. Die zweite Kennziffer verlangt, dass sie Kredite langfristiger als bisher gegenfinanzieren.

Die Liquiditätsregeln dürften sich nach Einschätzung von Thomas Heidorn, Professor an der Frankfurt School of Finance, in Zukunft stärker auf die Kreditvergabe auswirken als die Kapitalregeln: "Die neuen Regeln für das Eigenkapital unterscheiden sich, was die Vergabe von Mittelstandskrediten anbelangt, nicht wesentlich von den bisherigen Vorschriften."

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