Neuer deutscher Exportschlager
Messezirkus geht auf Welttournee

Messen entwickeln sich zum neuen deutschen Exportschlager. Weil der heimische Messemarkt gesättigt ist, exportieren die Veranstalter ihre Konzepte in Boom-Regionen. Jetzt ziehen auch die kleinen Messen nach.

Messen entwickeln sich zum neuen deutschen Exportschlager. Schon Anfang der Neunziger Jahre begannen die großen deutschen Messeveranstalter, Ableger ihrer Ausstellungen unter gleichem Namen ins Ausland zu pflanzen. Hannover schenkte seiner Computermesse Cebit drei Töchter in Istanbul, Shanghai und Sydney. Nun ziehen die kleineren Messeveranstalter mit großer Kraft nach. Insgesamt 197 Auslandsmessen verzeichnet der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) für 2006, mehr als je zuvor. „Die Zahlen sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert“, sagt Verbandssprecher Harald Kötter.

Damit folgt die Branche ihren Kunden, die längst auf den internationalen Märkten agieren und gezielt Kontakte in den Wachstumsregionen wie China, Indien oder im mittleren Osten suchen. „Die Aussteller sind wählerischer geworden“, weiß Matthias Huckemann, Mitglied der Geschäftsführung bei der Unternehmensberatung Mercuri International. „Auch mittelständische Unternehmen gehen dorthin, wo sie neue Geschäfte aufbauen wollen. Deutschen Messeveranstalter haben ihre Rolle als Dienstleister erkannt und wandern mit bewährten oder neuen Veranstaltungen in die Boomregionen.“

Das Messewesen wird immer mehr zum globalen Konkurrenzgeschäft. Einer der jüngeren Mitbewerber ist die Leipziger Messe, die vor zwei Jahren eine eigene Auslandsstrategie aus der Taufe gehoben hat. „Unsere Kunden denken global und wünschen sich ein internationales Publikum“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Marzin. „Wir möchten die Branchen dahin begleiten, wo es sie hinzieht.“ Mit der „Ökotech“ in Budapest, der „Restaurantexpo“ in Kiew und weiteren Auslandsmessen trat Leipzig dieses Jahr kräftig aufs Gaspedal.

„Trumpf der deutschen Messeveranstalter ist ihre hohe Qualität und Zuverlässigkeit“, sagt AUMA-Sprecher Harald Kötter. „Die können sie im Ausland aber nur beibehalten, wenn sie vor Ort gute Partner haben.“ Darum baut auch Leipzig rund um den Erdball systematisch Kontaktbüros auf und geht Allianzen mit Industrieverbänden und Unternehmen ein. Das Auslandsgeschäft verlangt hohe Investitionen.

Die Veranstalter hoffen auf doppelte Renditen, zum einen durch den Umsatz im Ausland, zum anderen durch mehr Publikum daheim. Denn die Tochtermessen sollen die heimischen Veranstaltungen nicht ersetzen, sondern stärken. Im besten Fall binden sie mit ihrem Angebot alte Kunden fester und locken neue ausländische Aussteller und Besucher nach Deutschland.

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