Neuer Handelsplatz "M:access"
Die Börse entdeckt den Mittelstand

Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen finden sich in den bestehenden Börsensegmenten nicht wieder. Der geregelte Markt ist auf Grund neuer Gesetze stark reguliert und für einen Mittelständler teilweise nicht überschaubar. Mit ihrem neuen Handelsplatz "M:access" will die Börse München Abhilfe schaffen.

FREIBURG. Für die Phönix Sonnenstrom AG stand von Anfang fest, dass ein starkes Unternehmenswachstum nur über die Börse finanziert werden kann. Doch bisher waren geeignete Marktsegmente Mangelware. Seit dem 1. Juli 2005 ist dies anders: Die Börse München eröffnete eine Plattform für mittelständische Unternehmen. Der Geschäftsführer der Börse, Andreas Schmidt, will damit den Zugang zu Wachstumskapital erleichtern: "Der öffentliche Kapitalmarkt ist vor dem Hintergrund von Basel II nach unserer Einschätzung die richtige Plattform für die vielfach benötigte Verstärkung der Eigenkapitalbasis solcher Unternehmen."

Der im Freiverkehr angelegte "M:access" legt die Hemmschwelle des Börsengangs niedrig und gewinnt dadurch an Attraktivität. "M:access", so Phönix-Vorstand Andreas Hänel, "ist von den Folgepflichten und den Kosten her überschaubar und daher ein gut geeignetes Einstiegssegment." Das auf die Planung und den Bau von Photovoltaik-Kraftwerken spezialisierte Unternehmen wechselte zum Börsenstart des neuen Segments aus dem Freiverkehr zu "M:access".

Die Börse München will mit "M:access" ein Qualitätssegment schaffen. Die Fehler des Frankfurter Neuen Marktes sollen vermieden werden. Börsenchef Schmidt will den Freiverkehr aufwerten: "Wir haben bewusst Qualitätsstandards gesetzt. Die Emittenten in "M:access" werden sich von ihren Wettbewerbern im ,unregulierten' Freiverkehr deutlich abheben."

Eigenkapitalschwäche deutschen Mittelstands als Wachstumsbremse

Für mittelständische Unternehmen kommt das neue Marktsegment zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn seit dem Wegfall des Neuen Marktes klafft eine Lücke bei der Finanzierung. "Die Eigenkapitalschwäche des deutschen Mittelstands", so Bernd Rödl von der Kanzlei Rödl & Partner in Nürnberg, "hat sich zu einer erheblichen Wachstumsbremse entwickelt." Bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 17 Prozent seien deutsche Unternehmen meist schlecht für überdurchschnittliches Wachstum aus eigener Kraft gerüstet. "Es war höchste Zeit, ein attraktives Börsensegment für den Mittelstand zu schaffen. Das macht Deutschland auch wieder für Investoren interessant, die erfolgreiche Beteiligungen an die Börse bringen möchten", meint Rödl, dessen Kanzlei sich auf international tätige Familiengesellschaften spezialisiert hat. Denn wo kein gewinnbringender Ausstieg aus einem Engagement möglich sei, werde bisher auch nur zögerlich investiert.

Der Zugang zu dem neuen Handelsplatz der Münchener Börse, "M:access", ist gegenüber dem geregelten Markt deutlich leichter. Kernvoraussetzungen für ein Listing sind ein Grundkapital von mindestens 2 Mill. Euro, die Vorlage eines Jahresabschlusses als AG, die Veröffentlichung eines Börsenprospekts und die Beauftragung eines von der Börse München zugelassenen Emissionsexperten.

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