Neuer Mittelstands-Index
Familienfirmen maximieren den Profit auf dem Parkett

Jede dritte deutsche Aktiengesellschaft wird von einer Familie kontrolliert - meist erfolgreich, wie die Statistiken zeigen. Börsennotierte Familienunternehmen werfen sowohl für die Eigentümer als auch für den Aktionär mehr Profit ab als die übrigen AGs. Ein eigener Index soll das jetzt beweisen.
  • 0

DÜSSELDORF.

Familienunternehmen verpflichten sich stets dem langfristigen Wohl. Börsennotierte Konzerne maximieren dagegen den schnellen Profit. Beide Klischees sind gängig und oft falsch, wenn beispielsweise Familienunternehmen am Nachfolgestreit zerbrechen. Doch noch häufiger erweisen sich die Klischees durchaus als Weisheit. Das belegen Ertrags- und Kursstatistiken. Denn daran gemessen werfen börsennotierte Familienunternehmen sowohl für die Eigentümer als auch für den Aktionär mehr Profit ab als herkömmliche Aktiengesellschaften.

Um diese Erkenntnis gewinnbringend zu nutzen, entwickelte das Center for Entrepreneurial und Financial Studies (CEFS) an der TU München gemeinsam mit der Deutschen Börse den "Daxplus Family Firm Index". Aufgenommen werden alle Unternehmen, in denen die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Anteile hält - oder aber sie sitzt im Vorstand oder Aufsichtsrat und übt mindestens fünf Prozent der Stimmrechte aus. 130 Firmen erfüllen das Kriterium. Das ist ein Drittel aller Unternehmen aus dem deutschen Prime Standard, in dem strenge Berichtskriterien gelten. Schwergewicht gemäß aktuellem Börsenwert ist die Henkel AG. An dem Düsseldorfer Konsumgüterkonzern hält die Familie 52 Prozent der Anteile. Es folgt der Handelskonzern Metro. Hier kontrollieren die Gesellschafterstämme Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim 60,6 Prozent der Aktien.

"Bei Familienunternehmen entfällt die Diskrepanz zwischen dem Eigentum der Familie und dem der Aktionäre", sagt Christoph Kaserer, TU-Universitätsprofessor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte. Solche Probleme entstehen, weil das Management nicht zwangsläufig immer im Interesse der Firmeneigentümer handelt. Doch als Großaktionär sind Familien schon allein aus persönlichem Gewinnstreben beiden Interessen verpflichtet: Dem Eigentum und Wohl der Firma, aber auch dem Aktienkurs.

Solch eine - zumindest in der Gesamtsumme - stärkere Harmonie wirkt sich in stabileren Kennzahlen aus. So sind nach CEFS-Berechnungen börsennotierte Familienunternehmen mit einem Eigenkapital von durchschnittlich 51 Prozent in der Krise sehr viel stärker gepolstert als die übrigen Aktiengesellschaften. Sie kommen nur auf eine Quote von 30 Prozent. Darüber hinaus belegen die regelmäßigen Unternehmensranglisten des Handelsblatts, dass die großen Familienkonzerne in Deutschland und in Europa ihre Umsätze Jahr für Jahr stärker steigern als die übrigen im Dax und Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen.

Seite 1:

Familienfirmen maximieren den Profit auf dem Parkett

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Neuer Mittelstands-Index: Familienfirmen maximieren den Profit auf dem Parkett"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%