
BraunschweigEs hat bessere Zeiten in der 126-jährigen Geschichte des Pianobauers Schimmel gegeben. Ein Teil des einst in einem Braunschweiger Gewerbegebiet großzügig geplanten Fabrikgebäudes ist heute untervermietet. Doch in den übrigen 20 000 Quadratmetern arbeiten noch immer echte Handwerker, polieren Klaviere und Flügel, spannen Resonanzböden, drehen Saiten und feilen an den Klavierhämmerchen.
Selbstverständlich ist das nicht. Vor zwei Jahren sah es so aus, als stünde Schimmel vor dem Ende. Doch ein Insolvenzplanverfahren hat die Firma gerettet – und in der Hand der Familie gelassen. Mit einem solchen Instrument kann der Insolvenzverwalter eine Einigung mit den Gläubigern erzielen und so den Untergang des Unternehmens abwenden. Schimmel verzeichnet jetzt sogar wieder einen steigenden Umsatz. Im Jahr 2010 waren es 14,5 Millionen Euro, 2011 sollten es 18 Millionen werden. Für 2012 rechnet Vogel-Schimmel mit einem Plus von zehn Prozent.
Das Insolvenzplanverfahren hat sich für Firmenchef Hannes Vogel-Schimmel ausgezahlt. „Es gab Zeiten, da habe ich den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als für Banken zu tanzen“, sagt er. Als in der Finanzkrise die Bestellungen aus den USA einbrachen, überwarf er sich endgültig mit der Hausbank.
Durch die Insolvenz sei Schimmel den „finanziellen Rucksack“ aber losgeworden, sagt er. Rund 100 000 Euro Gebühren für den Forderungsverkauf nach dem Verfahren zahlt er heute jährlich – zuvor gingen „deutlich über eine Million Euro“ an die Banken.
„Während des Verfahrens haben wir als Familie gut zusammengehalten“, sagt der Firmenchef. Das Ergebnis: Seine Frau und ihre Schwester besitzen heute allein das Unternehmen, nachdem sie neues Kapital gegeben haben. Der Minderheitseigner Yamaha, der zuvor ein Viertel an der Firma gehalten hatte, ist raus. „Es war eine bewusste Entscheidung der Familie weiterzumachen – wohl wissend, dass es einfachere Wege gibt, Geld zu verdienen.“
Vogel-Schimmel hat neue Händler gewonnen und – noch wichtiger – so viele neue Modelle auf den Markt gebracht wie noch nie. Das soll ihn von Konkurrenten wie dem übermächtigen Marktführer Steinway absetzen. So hat Schimmel etwa den Resonanzboden seiner Flügel durch eine neue Form vergrößert. Das Ziel: Die Marke soll hochwertiger werden.
Grotrian-Steinweg ist ebenfalls aus Braunschweig und nicht, wie im Artikel geschrieben, Bielefeld.
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