Neuer Vertriebskanal
Soravia verkauft Fisch in Apotheken

Die Wiener Unternehmensgruppe Soravia setzt auf Gesundheitsbewusstsein und testet eine völlig neue Vetriebsschiene: Sie verkauft frischen Lachs in Apotheken - mit Erfolg. Eine Idee, die vielleicht bald schon nach Deutschland exportiert werden kann.
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WIEN. Der Erfolg hat auch Valerie Odelga überrascht. "Wir waren gleich am ersten Tag ausverkauft", sagt die Apothekerin aus der Kleinstadt Judenburg, irgendwo tief auf dem Land in der Steiermark. Das Dorf mit 10 000 Einwohnern ist alles andere als wohlhabend, große Betriebe gibt es dort nicht. Trotzdem ging der vergleichsweise teure Lachs gut über den Ladentisch der Apotheke - auch auf dem Land steigt das Gesundheitsbewusstsein. Lachs enthält vergleichsweise viel von den als besonders gesund geltenden Omega-3-Fetten, die vor hohem Cholesterin-Gehalt und Herzinfarkt schützen sollen.

In Österreich verkaufen Apotheken inzwischen nicht mehr nur Pillen und Tinkturen, sondern "Gesundheit". Deshalb wittert die Wiener Unternehmensgruppe Soravia das große Geschäft, wenn sie ihren gesunden Alpenlachs über Apotheken verkauft. Judenburg ist nicht mehr der einzige Ort in der Alpenrepublik, wo es den gesunden Omega-3-Fisch zu kaufen gibt. Unternehmenschef Hanno Soravia geht damit jetzt in ganz Österreich mit seinem Lachs in roten Kühlschränken auf Kundenfang. Sollte er damit Erfolg haben, will er die Idee auch nach Deutschland exportieren.

Gemeinsam mit seinem Bruder Erwin leitet der 49-Jährige die Unternehmensgruppe, die etwa 900 Mitarbeiter zählt und 130 Mio. Euro Umsatz im Jahr erzielt. Standbein der Soravias sind eigentlich Immobilien mit einem Wert von ungefähr 1,3 Mrd. Euro. Außerdem gehören ihnen Werbeagenturen, Bauzulieferer und seit dem Frühjahr eben auch eine Lachszucht.

Der Firmenchef ist zuversichtlich, dass sich die Investition auf Dauer auszahlt. "Dank der Apotheken werden wir das Geld gut verzinst zurückbekommen", sagt Soravia. Offenbar meint er: dank der "Apothekenpreise". Der Fisch-Umsatz liegt bislang aber noch im bescheidenen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Das könnte sich rasch ändern. Denn Österreich gilt als "Fisch-Entwicklungsland". Der Jahresverbrauch pro Kopf liegt bei mageren 8,4 Kilogramm; der EU-Durchschnitt liegt bei 22 Kilogramm.

"Aus meinem Hobby habe ich jetzt ein Geschäft gemacht," sagt der begeisterte Angler. Zwar ist der Lachs das Spitzenprodukt, daneben verkauft er auch Hecht, Schleien und Barsche. Nur der kleinere Teil des Frischfischangebots soll über Apotheken vertrieben werden, der größere Teil geht über den regulären Einzelhandel. Die Wiener Unternehmensgruppe verspricht, dass der Lachs natürlich ernährt werde und etwa kein Karotin bekomme, das genaue Gegenteil zur Massen-Lachszucht in Nordeuropa oder Asien.

Der Verkauf von Lachsfilets in österreichischen Apotheken mag bei dem einen oder anderen ein Schmunzeln auslösen. Doch in der Alpenrepublik genießen die Soravias einen guten Ruf, weil ihre Geschäftsideen meistens aufgegangen sind. Sie gelten zudem als gut vernetzt. Viele bekannte österreichische Unternehmer sitzen in ihrem Beirat. Der prominenteste ist Veit Sorger, Chef der Industriellenvereinigung, Österreichs Gegenstück zum deutschen BDI.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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