Neues Gesetz
Business Angels unter Druck

Jungunternehmer dürften es künftig bei der Finanzierung ihres Start-ups noch schwerer haben. Ein neues Gesetz bietet erfahrenen Unternehmern keinen Anreiz für Investition. Die angekündigte Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne kommt nur unter eine Bedingung voll zum Tragen.

WERTHER. Die Geschäftsidee der Gründer Tarek Moussa und Marco Simonis hat überzeugt: Ihr neues Reiseportal Askerus.de war kaum online, da fanden sich schon drei Business Angels. Das sind erfahrene, investitionsbereite Unternehmer, die das Start-up finanziell unterstützten. Das Reiseportal leitet Anfragen aus dem Internet kostenpflichtig an Reisebüros weiter. 85 Prozent des Gründungskapitals stammen von den Business Angels, die restlichen 15 Prozent haben Moussa und Simonis selbst eingebracht.

Künftig dürften Jungunternehmer nicht mehr so viel Glück haben. Zwar hat der Gesetzgeber Konsequenzen gezogen, da Wagniskapital in Deutschland immer noch Mangelware ist. Aber mit dem vom Kabinett bereits verabschiedeten „Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen“ werden allenfalls Investitionen von Wagniskapitalgesellschaften in High-Tech-Unternehmen gefördert.

„Für Business Angels bringt das Gesetz nichts. Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Roland Kirchhof, Vorstand des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) in Essen dem Handelsblatt. Denn die angekündigte Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von 9 060 Euro auf 20 000 Euro würde nur dann voll zum Tragen kommen, wenn der Investor sämtliche Unternehmensanteile hielte. In der Praxis komme das aber so gut wie nie vor. In der Regel gehen Business Angels eine Beteiligung von zehn Prozent ein. Dann würde der Freibetrag auf den Veräußerungsgewinn 2 000 Euro betragen. Liege der Gewinn über 3 611 Euro, schmilzt der Freibetrag bereits ab; bei 5 610 Euro sei er dann ganz dahin. „Da können Business Angels ihr Geld besser auf dem Sparkonto anlegen“, sagt Kirchhof. Zum Vergleich: In Großbritannien können Investments und Verluste steuerlich abgesetzt werden und die Gewinne müssen nur zum Teil versteuert werden.

Dabei ist die Nachfrage nach Dienstleistungen von Business Angels stark, da sie sich in der Regel in einer Phase engagieren, die für Wagniskapitalfirmen noch nicht interessant ist. Zwischen April und Juni 2007 gingen allein bei den dreißig Teilnehmern des Business Angel Panel über 240 Business Pläne ein, so Kirchhof.

Doch zu konkreten Gesprächen kam es nur selten – sieben von acht Anfragen blitzten ab und nur jeder dritte Engel ging überhaupt eine Beteiligung ein. Business Angels sind bei der Auswahl ihrer Investments vorsichtiger geworden und legen im Schnitt auch immer weniger an. Waren es vor zwei Jahren noch etwa 125 000 Euro, die ein Angel im Durchschnitt investierte, sind es heute nur noch 63 000 Euro. Auch die Portfolios schrumpfen: Statt 6,3 hält jeder Business Angel durchschnittlich nur noch 4,5 Beteiligungen.

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