Nicht immer läuft alles reibungslos im Boomland
Investoren rangeln mit Chinas Bürokraten

Immer mehr ausländische Firmen zieht es nach China. Im vergangenen Jahr pumpten Unternehmen aus aller Welt mehr als 60 Mrd. Dollar in das Land, um beim großen Boom dabei zu sein. Und der optimistische Trend scheint ungebrochen: Die vereinbarten Direktinvestitionen, die erst in den kommenden Jahren verwirklicht werden sollen, stiegen 2004 auf ein Rekordniveau von 153 Mrd. Dollar.

PEKING. Es sind aber nicht nur Weltkonzerne, die auf den Produktionsstandort China setzen. Gerade aus Deutschland sind viele Mittelständler dabei, die ihr Engagement in China nach Angaben der Deutschen Handelskammer in Peking mehrheitlich als „durchaus positiv“ sehen.

Doch nicht immer läuft alles reibungslos. Ein Investment in China ist immer auch ein Risiko, warnen Juristen und Berater. Etliche Firmen haben nach der großen Hoffnung im Reich der Mitte viel Geld und wichtige Blaupausen verloren. Das Thema Patentrechte wird darum von in China tätigen Unternehmen als besonders großes Problem genannt. Zwar ist China längst nicht mehr das Kopierparadies, das es einmal war. Doch der Kampf gegen die „Piraten“ überzeugt nicht: Nach einer Umfrage unter den Mitgliedern der EU-Kammer in China sehen mehr als die Hälfte die von der chinesischen Regierung unternommenen Schritte als ineffektiv an.

Auch in eine weitere Wunde legt die Kammer in ihrem jüngsten Positionspapier den Finger: Vor allem bei zentralen Industrien wie im Energie- oder im Telekombereich seien die engen Beziehungen der Staatsfirmen und der Regierungsbehörden weiter sehr bedenklich. Es fehle in China noch immer an der nötigen Freiheit für ausländische Investoren. In der Chemiebranche wollen plötzlich die Chinesen mehr als früher mitreden, beklagt ein deutscher Manager. „Entweder mit uns oder gar nicht“, laute die Devise. Erst vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass Ausländer bei Raffinerien keine Kontrolle mehr bekommen dürfen.

In anderen Branchen geht die Produktion ohnehin nur mit lokalen Partnern. So können ausländische Banken nicht mehr als 20 Prozent eines chinesischen Instituts übernehmen, werden in vielen Branchen wie der Autoindustrie nur Minderheitsbeteiligungen genehmigt. Unter den ausländischen Autoproduzenten herrscht momentan sowieso eher Katerstimmung. Kaum einer verdient wirklich Geld, überraschende Modifizierungen – etwa der Zollbestimmungen – verändern über Nacht die Standortbedingungen und damit die Kostenkalkulation. In China zu produzieren sei inzwischen eher eine politische, denn eine wirtschaftliche Frage, murrt ein deutscher Automann.

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