Nürnberger Bonbonfabrik Soldan
Em-eukal: Auf dem Weg zum Ganzjahresbonbon

Em-eukal verkauft sich vor allem bei kaltem Schmuddelwetter. Das will der Unternehmer Perry Soldan jetzt ändern. Mit neuen Bonbon-Varianten und deutlich mehr Werbung als früher soll das Nürnberger Unternehmen künftig jedes Jahr zwischen zehn und 20 Prozent wachsen.

ADELSDORF. Heute brüten Firmen monatelang über Standortanalysen, ehe sie sich für ein Grundstück entscheiden. Als die Nürnberger Bonbonfabrik Soldan Ende der 50er-Jahre ein neues Werk bauen wollte, da war es die Intuition einer Unternehmergattin, die den Bauplatz bestimmte. Mit ihrer Wünschelrute fand Erika Soldan eine unterirdische Quelle auf einer Wiese im fränkischen Adelsdorf. Ausreichend Wasser ist in der Süßwarenbranche wichtig, um die Maschinen zu säubern, und so rückten genau dort die Bagger an, wo die Astgabel am stärksten ausschlug.

Noch immer produziert Soldan am selben Ort vor den Toren Nürnbergs seine Bonbons, Gummibärchen und Lutscher. Mit Perry Soldan führt inzwischen die vierte Generation das vor 110 Jahren gegründete Unternehmen. Über die Standortsuche seiner Großmutter kann der Betriebswirt heute schmunzeln. Er selbst geht seine Aufgaben indes wesentlich systematischer an: Mit neuen Bonbon-Varianten und deutlich mehr Werbung als früher soll der Hersteller der bekannten Em-eukal-Bonbons künftig jedes Jahr zwischen zehn und 20 Prozent wachsen. Derzeit erwirtschaftet die Firma mit ihren knapp 200 Mitarbeitern einen Umsatz von 50 Millionen Euro.

"Das sind doch die mit den Fähnchen, oder?" So reagieren viele Deutsche, wenn sie auf Em-eukal angesprochen werden. Aus der traditionell grünen Verpackung der Kräuterbonbons ragt stets eine weiße Fahne. Was in diesen Tagen das Markenzeichen ist, war einst einfach nur praktisch: So mussten die Bergleute mit ihren dreckigen Händen die Bonbons beim Auspacken nicht anfassen, um sie in den Mund zu stecken. In den 50er-Jahren haben die Ärzte den Minenarbeitern im Ruhrgebiet die Süßigkeiten aus Bayern gegen Bronchialbeschwerden verschrieben - und damit für sichere Umsätze von Soldan gesorgt.

Perry Soldan erzählt solche Geschichten gerne. Sie lassen sein großes Ziel nicht ganz so verwegen erscheinen. "Wir wollen der Gattungsbegriff für Bonbons werden", sagt der 40-jährige Unternehmer selbstbewusst. Was "Tempo" für Taschentücher, soll Em-eukal künftig unter den Lutschkugeln werden.

Mit seinen 50 Millionen Euro Umsatz ist Soldan zwar ein Winzling im Vergleich zu großen Nahrungsmittelkonzernen wie Nestlé oder Cadbury. Doch in ihrem Metier, den Husten- und Kräuterbonbons, gehören die Franken zu den ganz Großen hierzulande und kommen nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Bekannteste Wettbewerber sind die Familienfirma Ricola aus der Schweiz sowie Wick, eine Tochter des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble.

Experten halten das Vorhaben von Soldan durchaus für realistisch. "Die Marke hat viel Potenzial", urteilt Markus Pfeiffer, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Vivaldi Partners in München. Der Manager kennt sich aus im Markt, hat bereits eine Wachstumsstrategie für den großen englischen Bonbon-Anbieter Halls entworfen. Er glaubt, dass Marken wie Em-eukal gute Chancen haben, im Leben ihrer Kunden künftig eine größere Rolle zu spielen. "Die könnten sich zum Beispiel so positionieren, dass ihre Produkte Krankheiten vorbeugen."

Es war Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als der Apotheker und Medizinalrat Carl Soldan Em-eukal erfand. Die Bonbons basieren auf einem Rezept aus Menthol und Eukalyptus und werden bis heute vor allem in Apotheken und Drogerien verkauft.

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