Nur kurzzeitige Verbesserung
Handwerker profitierten vom Hochwasser

Der Flut der Wassermassen sollte eigentlich eine Flut von Aufträgen folgen und einen kleinen Boom im ostdeutschen Handwerk auslösen.

HB DÜSSELDORF. Als die Hochwasserwelle im August 2002 so manches frisch verputzte Häuschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt beschädigte oder gar mit sich riss, waren sich viele Wirtschaftsleute einig: Ein Konjunkturaufschwung auf Grund der großen Nachfrage werde vor allem dem stagnierenden Handwerk und den kleineren Betrieben helfen. Doch einen Hochwasser-Aufschwung größeren Ausmaßes konnten auch unterspülte Straßen und Bahngleise nicht auslösen.

Umsatz hat sich belebt

"Wir haben im Baugewerbe natürlich mehr Aufträge registriert, aber die allgemeine schlechte Lage der Branche hat das auch nicht verbessert", sagt der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Baugewerbeverbandes, Klaus Bertram. Auch wenn sich das nicht in Zahlen messen lasse, habe sich der Umsatz aber in dem einen oder anderen Betrieb entlang der Elbe zwischen Dresden und Riesa belebt.

"Wir befürchten allerdings, dass in spätestens drei Monaten diese Sonderkonjunktur vorbei ist und dann ein großes Auftragsloch kommt." Immerhin läuft auch der Fluthilfefonds der Bundesregierung 2004 aus, gibt Bertram zu bedenken, dessen Verband rund 1000 Mitgliedsbetriebe vom mittelständischen Baubetrieb bis zum einzelnen Fliesenleger vertritt.

Leichte Stabilisierung

Auch der sächsische Handwerkstag registrierte vor allem in diesem Jahr eine leichte Stabilisierung seiner Baubetriebe: In der jüngsten Konjunkturumfrage gaben 15 % der Betriebe des Bauhauptgewerbes und 16 % des Baunebengewerbes eine gute Geschäftslage an.

Damit fiel dieser Anteil um fünf Prozentpunkte höher aus als vor einem Jahr. Grundsätzlich hat das Hochwasser jedoch nichts an der schlechten Baukonjunktur im Osten geändert, betont der Handwerkstag.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die Handwerkskammer Halle, die für den Süden Sachsen-Anhalts zuständig ist. Die Beseitigung der Hochwasserschäden an Elbe und Mulde habe zwar zu einer kurzzeitigen Verbesserung des Konjunkturklimas vor allem im Ausbau-, Elektro- und Holzhandwerk geführt - die Geschäftslage bleibe aber angespannt: Im Jahr 2002, dem schlechtesten Geschäftsjahr seit der Wiedervereinigung, gab es bei steigenden Einkaufspreisen einen Umsatzrückgang von drei Prozent bei den rund 13 000 Betrieben.

Betriebe leiden selbst unter dem Hochwasser

Ein Grund für den ausgebliebenen Aufschwung dürfte auch darin liegen, dass viele Betriebe selbst durch das Hochwasser Verluste erlitten: Der Rekonstruktionsbedarf habe die Einkommens- und Wertschöpfungsausfälle bestenfalls ausgleichen können, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Peter Heimann. Rund 800 Unternehmen der Kammer wurden im Süden Sachsen-Anhalts geschädigt, 94 % von ihnen haben jedoch wieder am gleichen Ort ihre Arbeit aufgenommen. Der Rest ist Heimann zufolge größtenteils Pleite gegangen.

Unterdessen sind auch in Sachsen die vom Hochwasser betroffenen Unternehmen größtenteils wieder im Geschäft. Die Zahl der Firmen, die nur auf Grund der Flut Insolvenz anmelden mussten, sei offenbar verschwindend gering, sagt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo. "Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet."

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