Nutzfahrzeuge
Aus Brummi-Bauern werden Lkw-Butler

Schon heute wird ein Viertel des Umsatzes in der Nutzfahrzeugbranche mit Dienstleistungen erwirtschaftet. Die Fahrzeug-Hersteller mausern sich zu breitaufgestellten Logistikanbietern rund um ihr Kernprodukt Lkw.
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Das richtige Produkt zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität an den richtigen Ort zu bringen: Mit diesem Anspruch – und zu 72 Prozent mit dem Einsatz von Nutzfahrzeugen – erwirtschaftet die deutsche Logistikbranche rund 200 Milliarden Euro, beschäftigt 2,6 Millionen Menschen und belegt im Logistik-Ranking der Weltbank unter 155 Ländern den ersten Platz. Innovationen im Lkw-Bereich werden daher mit Spannung verfolgt, darunter derzeit vor allem die Feldtests des EuroCombi. Denn mit dieser Gattung von Riesenlastern mit bis zu 60 Tonnen Gewicht könnten die Betriebe noch wesentlich effizienter wirtschaften, argumentieren viele Logistikexperten.

Auch die Manager von Bosch-Siemens-Hausgeräte erwarten, dass sie mit den neuen Riesenlastern ein Drittel ihrer täglichen Lkw-Touren einsparen. Mit solch einem Riesen könnten sie jeweils 279 Haushaltsgeräte befördern – und nicht, wie derzeit üblich, 180. Und der Kurierdienst UPS hofft mit den Mammut-Lastern von seinen jährlich in Deutschland gefahrenen 100.000 Touren rund ein Fünftel aussetzen zu können.

Kein Wunder, dass die Bundesregierung die Feldversuche im kommenden Jahr ausweiten will. Und auch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover dürfte der EuroCombi ein wichtiges, viel diskutiertes Thema sein. Diskussionsbedarf haben unter anderem der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) angemeldet. Sie wollen keinen weiteren Großversuch mehr, sie wollen endlich die allgemeine Verkehrszulassung, so wie in Schweden und Holland. „Es werden immer wertvollere, aufwändig verpackte und damit voluminöse Güter transportiert, da stoßen Lkw häufig nicht nur an ihre Gewichts-, sondern auch an ihre Volumengrenze“, argumentiert Gerhard Riemann, Vorsitzender des BGA-Verkehrsauschusses. Derzeit beabsichtigen über 250 Unternehmen am Großversuch im kommenden Jahr teilnehmen. Die Zahl wächst ständig: Ursprünglich hat das Bundesministerium mit maximal 150 teilnehmenden Betrieben gerechnet.

Mit Zusatzleistungen trumpfen

Für Peter Blauwhoff, Chef der Deutschen Shell Holding, hängt dieses verstärkte Interesse mit dem „grundlegenden Wandel im Speditionsgewerbe“ zusammen. Eine Shell-Studie zu den Fakten, Trends und Perspektiven im Straßengüterverkehr bestätigt: Heute sind noch viele mittelständische Speditionen mit relativ kleinen Fuhrparks unterwegs, in 20 Jahren hingegen dürften Betriebe mit mehr als 50 Fahrzeugen dominieren. Denn die mit Lastwagen zu absolvierende Transportleistung hat sich bis dahin verdoppelt, gleichfalls sind mehr begleitende Logistikaufgaben zu erledigen. Zudem werden die Beschaffungsstrategien der Kunden immer ausgefeilter, es gibt Arbeitsteilung in der Fertigung, eine feinteiligere Distribution sowie optimierte Logistikkonzepte.

Schon heute entwickeln sich die Lkw-Hersteller laut Shell immer stärker zu Lkw-Service-Providern: Von jedem Euro Umsatz in der Nutzfahrzeugbranche stammen mittlerweile 25 Cent aus Dienstleistungen rund um Straßentransportfahrzeuge. Im Jahr 2030 dürfte der Anteil bei über 50 Cent liegen. Daimler-Vorstand Andreas Renschler hält das für eine gute Entwicklung, zumal solche Service-Dienstleistungen als krisenfest gelten, was die jüngste Rezession bestätigt habe. Während die Lkw-Industrie 2009 einen dramatischen Absatzeinbruch erlebte, verbuchten die Services ein Rekordergebnis.

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