Oberflächen-Beschichtungen
Die Suche nach der glänzenden Erscheinung

Vandalen haben künftig kaum noch eine Chance: Frisches Graffiti fließt an der Hauswand herunter, ohne Spuren zu hinterlassen. Hightech-Unternehmen und Forscher entwickeln intelligente Beschichtungen für Wände, Lebensmittel, Medizintechnik und die Luftfahrtindustrie.

KÖLN. Kratzer an Scheiben von Straßenbahnen verschwinden nach einigen Tagen von selbst. Und selbst Kratzer an der Fahrertür bleiben folgenlos. So jedenfalls malen sich die deutschen Lackproduzenten ihre Zukunft aus. Denn moderne Lacke sind extrem kratzfest, besitzen Selbstheilungskräfte und schonen die Umwelt. „Smart Coatings“ werden sie genannt, was so viel heißt wie geschickte Anstriche. In Zukunftsvisionen träumen Experten schon von Bürogebäuden mit fotovoltaischen Wandfarben, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen können. „Das ist zwar noch Zukunftsmusik, wir stehen aber vor einem enormen Innovationssprung“, sagt Peter Becker, Präsident des Verbandes der deutschen Lackindustrie. Für den Boom sorgen derweil rund 20 000 Menschen, die hierzulande in der Branche beschäftigt sind. Im vergangenen Jahr produzierten sie 2,2 Mill. Tonnen Lack und Farbe im Wert von 4,8 Mrd. Euro – ein Drittel davon für den Export. Bei Forschung und Entwicklung liegt Deutschland in der stark mittelständisch geprägten Branche weltweit an der Spitze.

Einer der Marktführer für besonders widerstandsfähige Oberflächen-Beschichtungen ist Degussa High Performance Polymers. Das Unternehmen produziert Feinpulver, das als Lackzusatz auf Geschirrspülkörben, Einkaufswagen und Drahtkörben für Kühlregale zum Einsatz kommt. Die Hightech-Schicht, die auch bei extremen Temperaturen beständig ist, verhindert Abrieb oder Rissbildung und macht die Oberfläche resistent gegen Fett und Schmutz. Eine ähnliche Technologie findet sich bei der Iolitec GmbH in Denzingen.

In der Lackforschung spielt das sechsköpfige Team um Geschäftsführer Thomas Schubert ganz oben mit. Iolitec hat sich auf die Beschichtung von metallischen Oberflächen spezialisiert. Wenn etwa eine Stahlschraube in eine Alufelge geschraubt werden soll, wird durch die unterschiedlichen Metalle früher oder später die Felge beschädigt. Eine Aluschraube wäre dagegen nicht stabil genug, um den Belastungen Stand zu halten. „Genau an dieser Stelle setzen wir an“, sagt Schubert. Mit einer speziellen Flüssigkeit sorgt er dafür, dass die Stahlschraube mit einer stark haftenden Aluminiumschicht überzogen wird und so problemlos in die Alufelge passt. Das Produkt steht kurz vor der Markteinführung , einige Zulieferer haben schon Interesse bekundet.

Auch die Medizintechnik ist Gegenstand der Forschung bei Iolitec. Das Unternehmen entwickelte Katheter für Herz-Kranz-Gefäße, deren Oberflächen im Röntgenbild gut sichtbar sind, andererseits dem Patienten so wenige Unannehmlichkeiten wie möglich bereiten. Hier sieht Schubert großes Potenzial: „In der Gesundheitsbranche werden Innovationen gern aufgenommen“, sagt er.

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