Oberflächentechnik
EU-Regeln treiben Kosten nach oben

Die neuen EU-Regeln sind bei Oberflächentechnikern derzeit in aller Munde. Mit der Verordnung sind alle Hersteller, Importeure und Anwender chemischer Substanzen dazu verpflichtet, die von ihnen verwendeten Chemikalien bei der Europäischen Chemikalienagentur zu registrieren und Daten zum sicheren Umgang mit den Werkstoffen vorzulegen. Das geht ins Geld. Einige Verfahren stehen vor dem Aus.

KÖLN. Kurt Ludwig Klingenberg kommt ins Rechnen, wenn er zusammenzählt, wie viele Tagungen und Seminare er in der letzten Zeit besucht hat. Als Beauftragter für das Qualitätsmanagement bei der Herbert Schmidt Oberflächentechnik GmbH & Co. KG aus Solingen sorgt er für die Umsetzung der neuen EU-Chemikalienverordnung REACH in seinem Unternehmen. „REACH ist für uns sehr zeit- und arbeitsintensiv“, sagt er. Er hat in den letzten Monaten bereits sechs Veranstaltungen besucht, allein um sich über die neuen Pflichten zu informieren.

Die neuen EU-Regeln sind bei Oberflächentechnikern derzeit in aller Munde. Mit der Verordnung sind alle Hersteller, Importeure und Anwender chemischer Substanzen dazu verpflichtet, die von ihnen verwendeten Chemikalien bei der Europäischen Chemikalienagentur zu registrieren und Daten zum sicheren Umgang mit den Werkstoffen vorzulegen. „Die Oberflächentechnik ist als eine chemikalienintensive Branche von REACH stark betroffen“, sagt Walter Gekeler, Verbandsgeschäftsführer vom Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz (IHO). Vor allem Galvaniseure haben mit REACH zu tun.

Noch sind die genauen Konsequenzen nicht einmal abzusehen. „Daher herrscht eine gewisse Verunsicherung“, sagt Verbandschef Gekeler. Eins steht aber bereits fest: Die Neuerungen sind für die Unternehmen mit zusätzlichem finanziellem Aufwand verbunden. Die Betriebe müssen Substanzen registrieren, Daten zur betriebsinternen Anwendung erheben und an die Hersteller weiterleiten. Und unter Umständen müssen sie Stoffe testen, die nicht registrierte Substanzen zukünftig ersetzen könnten.

BASF, eines der am stärksten von REACH betroffenen Unternehmen, hat angekündigt, 2500 Stoffe registrieren zu wollen. Der Chemie-Konzern rechnet bis 2018 mit jährlichen Kosten in Höhe von 50 Mill. Euro.

Experten prognostizieren, dass die Umsetzung von REACH mittelständische Unternehmen besonders hart treffen wird, denn der Mittelstand produziert oder verwendet Chemikalien in kleineren Mengen. Prüf- und Registrierkosten für einen Stoff stehen somit häufig in keinem Verhältnis zum Ertrag. Zudem fehlt es gerade kleineren Unternehmen an den nötigen Ressourcen, um sich intensiv mit den neuen EU-Regeln zu beschäftigen.

Allein ein kleineres mittelständisches Unternehmen wie Herbert Schmidt Oberflächentechnik mit etwa sechzig Mitarbeitern kommt auf knapp 300 Chemikalien-Lieferanten. Qualitätsmanager Klingenberg rechnet mit weiterem Ungemach für sein Unternehmen. Er geht davon aus, dass REACH die Preise für viele Substanzen in die Höhe schnellen lässt. „Die Hersteller und Importeure werden ihre eigenen REACH-Kosten über die Preise auf uns abwälzen.“

So könnte die Herstellung einiger Stoffe, die Oberflächenveredler benötigen, unrentabel werden - vor allem Spezialtenside oder Additive, die für den Glanz von Oberflächen sorgen. „Unternehmen werden im Einzelfall abwägen, ob die Registrierung von Stoffen wirtschaftlich ist“, sagt Heike Lüskow vom Hamburger Institut für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol). Auch Verbandschef Gekeler rechnet mit solchen Einschränkungen: „Die Branche kann im Moment nicht garantieren, dass sie auch in Zukunft alle technischen Verfahren anbieten kann.“

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