Öffentlichen Ausschreibungen
Indiens Mühlen mahlen langsam

Die Infrastruktur Indiens hat Investitionen dringend nötig. Zwar will die Regierung mit Privaten kooperieren. Doch noch schrecken lange, intransparente Verfahren und Kompetenzgerangel ab. Unternehmen, die sich in Indien an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen, brauchen einen langen Atem.

NEU DELHI. Für die Fraport AG hieß es am Schluss: „Ende gut, alles gut“. Allerdings musste sich der deutsche Flughafenbetreiber mehr als drei Jahre gedulden, ehe er mit seinem Konsortium den Zuschlag für die Privatisierung des Airports von New Delhi erhielt. Gerade bei großen Infrastrukturprojekten kann sich der Auswahlprozess über Jahre hinziehen. Nicht selten werden technische Anforderungen nachträglich geändert oder im schlimmsten Fall das ganze Verfahren neu aufgerollt.

Nicht nur die langwierigen und intransparenten Ausschreibungsverfahren schrecken Investoren ab. Hinzu kommt, dass die Vorschriften, beispielsweise ab welchem Projektvolumen ein Vorhaben international ausgeschrieben wird, von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden sind. Die indische Regierung bemüht sich, den Prozess zumindest bei großen Infrastrukturprojekten zu verkürzen und den Kreis der Entscheider zu verkleinern.

Denn Indien kann sich bei der Modernisierung seiner Straßen und Häfen keine weitere Verzögerung erlauben. Die schlechte Infrastruktur ist nach wie vor die größte Bremse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Ein gewaltiger Investitionsplan wurde 2004 aus der Taufe gehoben. Allein die Flaggschiffprojekte wie das nationale Straßenbauprogramm werden in den nächsten fünf Jahren 150 Milliarden US-Dollar kosten.

Erfolge im Straßenbau

Da die Vorhaben nicht allein aus öffentlichen Kassen finanziert werden können, setzt die Regierung auf die Kooperation mit dem Privatsektor. Doch bislang werden Infrastrukturprojekte nur selten durch Public Private Partnerships (PPP) realisiert, weil die Investoren vielfach das finanzielle Risiko für zu hoch halten. Im Straßenbau konnten dennoch eine Reihe von PPP-Projekten erfolgreich umgesetzt werden. Meist handelt es sich um „Build, Operate, Transfer (BOT)“-Vereinbarungen zwischen der Regierung und einem privaten Investor.

Das Unternehmen erhält dabei eine Mautlizenz für die neue Strecke und kann so die Kosten für Bau und Unterhalt refinanzieren. Das BOT-Modell hat sich auch deshalb in der Praxis bewährt, weil hierfür ein Standardlizenzkontrakt verwendet wird. Die indischen Wirtschaftsverbände fordern solche Rahmenverträge ebenfalls für den Kraftwerksbau oder die Privatisierung von See- und Flughäfen. Dadurch werde auch das Verfahren für Investoren transparenter.

Um frühzeitig an Ausschreibungsinformationen zu gelangen, sollten Unternehmen den Kontakt zu Ministerien und Behörden suchen. Das „Indian Trade Journal“ ist das zentrale Organ für die Ausschreibungen der staatlichen Stellen. Zudem sind diese verpflichtet, die Tender auch auf ihren Homepages zu publizieren. Doch bei der Vielzahl an öffentlichen Einrichtungen – es gibt allein 48 Bundesministerien – ist eine gezielte Suche über das Internet schwierig. Abhilfe könnte die geplante zentrale E-Procurement-Plattform schaffen. Künftig soll der gesamte Ausschreibungsprozess auf dem elektronischen Weg erfolgen.

Dass trotz aller Widrigkeiten auch Mittelständler bei großen Ausschreibungen in Indien gute Chancen haben, beweist unter anderem der Erfolg des deutschen Logistikberaters TransCare. Im Juli erhielt dessen indische Tochter TransCare Logistics India den Zuschlag, Businesspläne für die Modernisierung der indischen Häfen Cochin, Paradip und Tuticorin zu entwickeln. Zwar dauerte auch hier das Auswahlverfahren neun Monate. „Aber bei einem Beratungsumsatz von insgesamt einer halben Million US-Dollar hat sich der Aufwand auf jeden Fall für uns gelohnt“, resümiert Poul Jensen, geschäftsführender Direktor von TransCare India.

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