Öffnung für Auslandsinvestitionen
Konkurrenz für den Kirana Store

In Indien gewinnen moderne Vertriebsformen im Einzelhandel an Bedeutung. Die erwartete weitere Öffnung des Sektors für Auslandsinvestitionen zieht auch das Augenmerk internationaler Branchengrößen auf sich.

NEU DELHI. Die meisten Inder kaufen nach wie vor in den sogenannten Kirana Stores ein, Tante-Emma-Läden, die meistens von Familien ohne fremde, angestellte Kräfte betrieben werden. Etwa 97 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes entfallen auf diesen „nicht organisierten“ Teil des Sektors. Die Jüngeren und Wohlhabenderen finden allerdings zunehmend Gefallen am modernen Shoppen – in Super- und Hypermärkten, Kaufhäusern und Einkaufszentren.

Der gesamte Einzelhandelsumsatz beläuft sich derzeit auf schätzungsweise 300 Milliarden US-Dollar (US$). Laut Prognosen der Beratungsfirma Technopak könnte er bis 2010 auf knapp 430 Milliarden, bis 2015 auf etwa 640 Milliarden US$ wachsen. Der Anteil des „organisierten Einzelhandels“ – derzeit mit sieben bis acht Milliarden US$ bei circa drei Prozent – dürfte dabei deutlich zunehmen. Geschätzt werden 15 bis 18 Prozent bis 2011. „Indien versucht, in zehn Jahren zu erreichen, wofür andere Länder 25 bis 30 Jahre benötigt haben“, sagt Technopak-Präsident Arvind Singhal.

Die Investitionswelle rollt: Nach Angaben von Technopak werden 40 Investoren in den nächsten vier Jahren 25 Milliarden US$ in die Branche stecken. Auf ausländische Firmen sollen davon etwa 35 bis 40 Prozent entfallen. Bislang waren internationale Engagements nur sehr begrenzt möglich. Die Erwartung, dass die Sparte künftig weiter für Auslandsinvestitionen geöffnet wird, heizt das Interesse an. Der vorhergesagte Aufschwung im Einzelhandel dürfte bis auf Weiteres vor allem von der Dynamik des Geschäftes mit Lebensmitteln getragen werden. Gut zwei Drittel des gesamten Umsatzes entfallen derzeit darauf. Zunehmend gefragt sind verarbeitete Erzeugnisse. Der steigende Bedarf kann aus technischen und Kapazitätsgründen aber nur unzureichend aus eigener Produktion gedeckt werden. Diese Lücke, so das India Retail Forum, könnten Importe füllen.

R.S. Roy, Editorial Director des Forums, sieht für deutsche Unternehmen unter anderem gute Verkaufschancen bei Molkereiprodukten, Fruchtsäften, ausgewählten Wurstwaren sowie Kosmetika und Körperpflegeartikeln. Die Gewinnmargen im Segment verarbeiteter Nahrungsmittel gelten als niedrig. „Darum ist es speziell für kleinere ausländische Lieferanten empfehlenswert, die Vermarktung ihrer Produkte über eine Kooperation mit ansässigen großen Einzelhandelsgesellschaften durchzuführen“, erläutert Roy.

Restriktive Investitionsrichtlinien beschränken bislang den Marktzutritt internationaler Unternehmen. Aber diese Barriere hat Risse bekommen und soll weiter abgebaut werden. Seit Anfang 2006 sind ausländische Beteiligungen bis zu 51 Prozent möglich bei Geschäften im Ein-Marken-Segment (single-brand retail), die nur Produkte eines einzigen Herstellers anbieten. Für Multi-Brand-Gesellschaften ist eine Kapitalbeteiligung weiterhin nicht erlaubt. Es dürfte aber eine Frage der Zeit sein, bis auch hier eine Öffnung erfolgt. Ein erster Schritt wird schon für die nächsten Monate erwartet. Es gibt allerdings bereits jetzt Möglichkeiten für Unternehmen, die mehrere Marken im Sortiment haben, in Indien aktiv zu werden. Wer vor Ort eine Fertigung hat oder einkauft, darf seine Produkte über den lokalen Einzelhandel oder Franchising vertreiben. Ein anderer Weg ist das üblicherweise für zwei Jahre genehmigte Testmarketing, das beispielsweise Nokia für den Markteintritt genutzt hat.

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