Öko-Riesen auf der IAA
Grüne Mobilität für Autobahn-Elefanten

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Sollten aus den riesigen Spritfressern tatsächlich grüne Maschinen werden? Dass Hybridantriebe, spritsparende Spoiler und Leichtlaufreifen nicht allein dem Pkw vorbehalten sind, zeigt die diesjährige IAA Nutzfahrzeuge vom 23. bis 30. September in Hannover.
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Können aus spritfressenden, abgasschadstoffreichen Lastwagen je vorbildliche Saubermänner werden? Ingo Buck, Innovationsberater bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH, setzt darauf. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Schnellhefter mit der Aufschrift "Easy Drive Hybrid: Am Lkw Energiequellen nutzen, die ansonsten ungenutzt bleiben". Ingenieur Buck ist sich sicher: Der nachrüstbare Hybridantrieb für 20 bis 40 Tonner - die Autobahn-Elefanten - wird auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge für Furore sorgen. Elf Unternehmen und Organisationen, darunter drei Forschungsinstitute und das Land Schleswig-Holstein, ziehen für dieses ehrgeizige Projekt an einem Strang. Und sie sind nicht allein: Saubersysteme für Brummis sind die Highlights in Hannover.

Grüne Mobilität beim Straßengütertransport gilt als eine der größten Herausforderungen der Branche. Denn noch weist jedes zweite Nutzfahrzeug in Europa eine schlechtere Schadstoffklasse auf als Euro 5. Nur schleppend werden alte Lkw durch moderne, verbrauchs- und schadstoffarme aber auch kostspielige Maschinen ersetzt. Lieber lassen die Unternehmen vorhandene Laster instandsetzen.

Immerhin: Ein wenig wird die allgemeine Lkw-Umweltbilanz durch Nachrüstsysteme aufgebessert. Diese sind verhältnismäßig günstig, werden öffentlich gefördert, führen zu einer besseren Euro-Gruppeneinstufung und senken somit die emissionsabhängigen Mautgebühren und Kfz-Steuern. Und natürlich lassen sich damit Fahrverbote in Umweltzonen oder umweltgeleiteten Autobahnstrecken vermeiden. Auf der Inntalautobahn in Tirol etwa gilt ein generelles Nachtfahrverbot für Fahrzeuge unterhalb der Euro-5-Klasse. Euro-5-Lkw dagegen dürfen auch nachts unterwegs sein.

Der erwähnte Nachrüst-Set "Easy Drive Hybrid" aus Norddeutschland kommt ohne Eingriff ins Fahrzeugmanagement aus: Das Lkw-Dieseltriebwerk erhält Unterstützung durch einen Elektromotor, der zugleich als Generator dient. Ein Lithium-Ionen-Akku fängt die Energie auf, die beim sen gewonnen wird. Eine Windturbine hinter der Heckabrisskante nutzt den Fahrtwind für zusätzliche Energie, während eine 30 Quadratmeter große Photovoltaik-Plane auf dem Dach Solar-Strom beisteuert, und das auch beim Parken. Selbst die Abgase lassen sich nutzen, schließlich sind sie bis zu 300 Grad Celsius heiß und damit ein gefundenes Fressen für die thermoelektrischen Generatoren des Nachrüst-Sets "Made in Schleswig-Holstein". Und Linear- Generatoren nutzen derweil die Bewegung der Stoßdämpfer für die Energieerzeugung. "Mit dieser Hybridlösung können Sie 15 Prozent Dieselkraftstoff sparen, doppelt so viel wie bei anderen Verfahren", schwärmt Innovationsberater Buck. Nach zwei bis drei Jahren hätten sich die Investitionen damit amortisiert.

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