Öko-Sanierung
Energiesparer heizen Baubranche ein

Energiesparen lohnt sich, auch für die Wirtschaft. Weil viele Unternehmen ihre Betriebsstätten ökologisch sanieren, rechnet die Branche mit weiter steigendem Absatz von wärmespeichernden Platten, Dämmwollen und Systemen der Wärmerückgewinnung.

BREMEN. Im größten Cateringbetrieb Europas wird Energiesparen groß geschrieben: Die Lufthansa-Tochter LSG Skychefs Deutschland GmbH hat im vergangenen Mai in Frankfurt am Main ihr neues Logistikzentrum in Betrieb genommen, in dem täglich 77 000 Mahlzeiten für Passagiere von Lufthansa, Condor und Hapag-Lloyd gekocht werden. Damit er möglichst wenig Energie verbraucht, ist der Neubau mit den neuesten Dämmstoffen ausgestattet, und mit Fenstergläsern, die die Kälte in den Produktionshallen halten. "Mit diesen Investitionen haben wir uns nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich für die Zukunft neu aufgestellt", sagt Kirstin Rappenecker, zuständige Teilprojektleiterin bei LSG Sky Chefs.

Denn die neu eingesetzten Energiespar-Konzepte verhelfen LSG Sky Chefs und seinem Mutterunternehmen Lufthansa nicht nur zu einem ökologisch korrekten Image. Sie senken auch Kosten. "Jährlich sind 600 000 Euro Einsparungen möglich", sagt Ralph Wortmann, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Wortmann & Scheerer in Bochum, der als zuständiger Energieberater den LSG Sky Chefs-Cateringbetrieb betreut hat. "Damit rechnen sich die Investitionen bereits nach weniger als zwei Jahren." Für den auf Wärme- und Energietechnik spezialisierten Ingenieur ist Energieeffizienz der wichtigste Trend in der Bautechnik. "Neue Einsparkonzepte im Gebäudebereich sind jetzt schon ein Milliardengeschäft, und der Markt wird auch weiter wachsen."

Rund 175 000 Neubauten pro Jahr stehen in Deutschland 18 Mio. bestehende Gebäude gegenüber, der Sanierungsbedarf ist enorm: 30 Mio. Quadratmeter Fassadenfläche werden jährlich zum Wärmeschutz verkleidet. Der Grund: Allein 2008 haben die Energieversorger wiederholt die Gaspreise angehoben, auch die Kosten für Heizöl steigen weiter. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung die geltende Energiesparverordnung demnächst verschärfen könnte.

Kein Wunder, dass Gebäudetechniker und Planer mit allen Mitteln versuchen, Häuser effizienter gegen Wärmeverluste abzudichten. Gebäude verbrauchen 40 Prozent der Energie in der EU, und ganze 87 Prozent des gesamten Energiebedarfs in deutschen Haushalten sind allein für Heizung und Warmwasser nötig. Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) könnten die Haushalte bis zu 80 Prozent davon einsparen. Von den möglichen Potentialen würden jedoch nur rund ein Drittel genutzt.

"Neue Konzepte zur Energieeffizienz in der Gebäudetechnik gibt es viele, und fast alle sind technisch ausgereift", sagt Ingenieur Ralph Wortmann. "Doch mangelt es immer noch am Bewusstsein dafür. Energieberater werden viel zu selten konsultiert." Eine große Zukunft sagt Wortmann beispielsweise Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung voraus. Anstatt die Fenster zu öffnen, sorgen Ventilatoren dabei für Frischluft. Die verbrauchte Luft aus dem Gebäudeinnern gibt ihre Wärme an die einströmende Außenluft ab. "Bis zu 80 Prozent der Wärme können damit zurückgewonnen werden", sagt Wortmann. "Für Anlagen dieser Art tut sich derzeit ein Riesenabsatzmarkt auf." Mit seinem Ingenieurbüro, das mit acht Mitarbeitern jährlich 600 000 Euro erwirtschaftet, betreut der Energieberater hauptsächlich Großprojekte, in denen er innovative Energiesparkonzepte testet. Lüftungsanlagen mit Wärmetauschern kommen beispielsweise in dem von Wortmann betreuten Projekt "50 Solarsiedlungen in NRW" zum Einsatz, dessen letzter Bauabschnitt nochin diesem Jahr fertig werden soll. "Die Lüftungsanlagen sind dort ein großer Erfolg", freut sich Wortmann.

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