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Ökostrom: Von Bauern und Bankern

Der Energiesektor bringt Schwung ins Genossenschaftswesen. Das verdankt der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) auch den genossenschaftlichen Banken. Die Kreditinstitute nutzen das Wachstum der Ökostrom-Branche, um ihre Rechtsform bekannter zu machen.

Genossenschaften geben Gas: Die Erneuerbaren Energien werden oft durch Genossenschaften gefördert. Quelle: dpa
Genossenschaften geben Gas: Die Erneuerbaren Energien werden oft durch Genossenschaften gefördert. Quelle: dpa

KÖLN. Gerd Fischer wollte mehr fürs Klima tun. Sich gleich eine Solaranlage auf das Dach zu bauen, erschien dem Rechtspfleger aus Bad Zwischenahn aber zu aufwendig. Als er von einer Bürger-Energiegenossenschaft in seinem Kreis erfuhr, zögerte er nicht. Bei seiner Hausbank, der Raiffeisenbank Oldenburg, zeichnete Fischer Anteile. "Ich kann mit geringem Einsatz Sonnenenergie fördern", sagt er.

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Im Sommer 2008 hat der Bürger-Energiepark Ammerland-Oldenburg (BEP) das Projekt gestartet. Seither wirbt die Raiffeisenbank auch Energiegenossen. Die bisher rund 90 Mitglieder haben in diesem Jahr vier große Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Baumschule Bruns nahe Oldenburg errichtet.

Der Energiesektor bringt frischen Schwung ins Genossenschaftswesen. Jede dritte Gemeinschaft, die 2008 mit dieser Rechtsform gegründet wurde, hat die Erneuerbaren zum Zweck. Den kleinen Boom verdankt der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) auch dem Einsatz seiner genossenschaftlichen Banken. Die nutzen das gesellschaftliche Engagement für Ökostrom, um ihre Rechtsform bekannter zu machen.

"Die Volks- und Raiffeisenbanken haben mit ihrer Idee, Bürger-Energiegenossenschaften zu gründen, bei den Kommunen offene Türen eingerannt", sagt Ralf-Peter Janik, Projektleiter für erneuerbare Energie beim Genossenschaftsverband Weser-Ems. Die Banken behalten auch nach der Gründung ihre Hand im Spiel. Denn die Genossen brauchen Kapital, weil Solaranlagen teuer sind.

Erfunden hat das Konzept der Genossenschaftsverband Weser-Ems. Er stellte Mitte 2007 ein komplettes Gründer-Paket für Photovoltaik-Genossenschaften vor. Darin enthalten ist etwa eine Software, um die Wirtschaftlichkeit der Solar-Anlage zu berechnen. Seit Projektstart haben sich im Einzugsbereich des Verbands 36 Energie-Genossenschaften gegründet, 32 davon sind in der Photovoltaik tätig, vier in der Nahwärme. "Wir haben eine Welle losgetreten. Viele Menschen wollen sich für den Klimaschutz engagieren. Mit unserem Konzept tun sie dies gemeinschaftlich", sagt Janik.

Vom Paket profitiert hat auch die Raiffeisenbank Oldenburg. "Der Verband hat uns den Fahrplan an die Hand gegeben, so dass wir die Gründung schnell vornehmen konnten", sagt Hermann Neunaber, Vorstand der BEP und ehemaliges Vorstandsmitglied der Bank. Inzwischen hat die Genossenschaft 1,5 Mio. Euro in vier Anlagen investiert. Rund ein Viertel davon wurde mit Eigenkapital finanziert, also mit den Einlagen der Mitglieder. Wer sich in den BEP einkaufen will, muss mindestens zehn Anteile für je 100 Euro erwerben. Der Rest stammt aus Fördermitteln und Krediten. Für kommendes Jahr sind zwei weitere Anlagen in Planung. Den Photovoltaik-Genossenschaften hilft das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es legt einen Preis fest, der den Erzeugern 20 Jahre lang ab Start ihrer Öko-Stromproduktion garantiert wird.

Energie-Genossenschaften liefern nicht nur Strom. So genannte Bioenergiedörfer versorgen sich auch selbst mit Wärme aus der eigenen Biogasanlage. Vorgemacht hat das die Gemeinde Jühnde, deren Anlage 2005 in Betrieb ging. Inzwischen sind 125 Haushalte angeschlossen. Die Kosten für die Wärmelieferung sind auf Basis des Heizölliterpreises von 2002 festgelegt worden und bislang nicht gestiegen. "Vielleicht haben wir bald fallende Energiepreise", sagt Vorstand Eckhard Fangmeier. Sobald die Genossenschaft ausreichend Rücklagen gebildet hat, erhalten Mitglieder eine Rückvergütung. Wieder profitiert sie vom EEG. Das sieht seit Anfang 2009 einen Bonus vor, wenn in einer Anlage zu mindestens 30 Prozent Gülle vergoren wird. Die Genossenschaft könnte dadurch zwischen 60 000 und 70 000 Euro zusätzlich einnehmen, sagt Fangmeier. 1 500 Euro zahlen die Mitglieder des Energiedorfs Jühnde bei Eintritt. 5,4 Mio. Euro hat die Biogasanlage gekostet. Deshalb musste vor dem Bau sichergestellt werden, dass sich genügend Haushalte beteiligen.

Allein neun Bioenergiedörfer haben sich unter der Obhut des Genossenschaftsverbands e.V. gegründet. Bernhard Brauner vom Verband sieht Mindestinvestitionen von 1 000 bis 5 000 Euro pro Mitglied nicht als Hürde. "Die Leute können ja auf die eigene Heizungsanlage verzichten." Brauner hat früher selten Neugründungen erlebt. Zu seinem Job gehörten eher Auflösungen, etwa im Agrarsektor. Der Erfolg der Energiegenossenschaften habe ihn überrascht. "Ich bin vom Totengräber zum Geburtshelfer geworden."

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