Ölindustrie
Kanadas Ölsand lockt Investoren

Kanadas Ölindustrie boomt: Mit 173 Mrd. Barrel verfügt Kanada, nach Saudi-Arabien, über die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Nach Einschätzung von Experten wird Kanadas Anteil an der Weltproduktion in den nächsten Jahren stetig steigen. Wie die aus allen Nähten platzende Provinz Alberta auf den Ansturm der Investoren reagiert.

OTTAWA. Melissa Blake, Bürgermeisterin der Stadt Fort McMurray, hat sich durchgesetzt. Die Regierung der kanadischen Provinz Alberta hat ihr jetzt Bauland für Tausende weiterer Häuser freigegeben. "Das ist auch bitter nötig, die Stadt platzt aus allen Nähten", sagt sie. Tatsächlich hat sich die Einwohnerzahl des früheren Trapper- und Holzfällerdorfs in den letzten zehn Jahren auf 65 000 verdoppelt - und der Zustrom ist ungebrochen. Aus einem einfachen Grund: Fort McMurray ist das Zentrum der expandierenden Ölindustrie im Norden Albertas.

Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegen die Ölsandfelder, auf denen sich riesige Schaufelbagger ins Erdreich fressen. Ölsand ist ein Gemisch aus Sand, Ton und teerartigem Bitumen. Die abbaubaren Ölreserven in Albertas Sand werden auf 173 Mrd. Barrel (je 159 Liter) geschätzt. Damit verfügt Kanada nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten Reserven. Das zähflüssige Bitumen wird in einem energieintensiven Prozess aus dem Sand gelöst.

Schon seit Jahren ist die Ölgewinnung aus Teersand wirtschaftlich. Vor sechs Monaten sagten Experten, die zurzeit geplanten Abbauprojekte seien rentabel, solange der Preis für ein Barrel Öl nicht unter 60 US-Dollar falle. Unternehmen wie Shell, Syncrude, Suncor, Canadian Natural Resources und Petro Canada wollen, um Ölsand zu gewinnen, bis zum Jahr 2015 nicht weniger als 125 Mrd. Dollar investieren.

Kanada produziert täglich 2,75 Mill. Barrel Rohöl, davon 1,2 Mill. aus Ölsand, der Rest aus konventioneller Förderung. Im Jahr 2020 sollen es 4,5 Mill. Barrel sein, davon 3,5 Mill. aus Ölsand. Allerdings brauchen Ölsandprojekte von der Planung bis zur Realisierung viel Zeit - zumal es zu wenig geeignete Arbeitskräfte gibt. Die Industrie beklagt sich auch darüber, dass die Politik des kanadischen Staates nicht geradlinig sei. So seien in der Provinz Alberta beispielsweise die Kosten möglicher Klimaschutzvorschriften noch nicht abzuschätzen, kritisiert der Vizepräsident des Verbands der kanadischen Petroleum-Produzenten (CAPP), Greg Stringham.

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