Offen gelegte Bonitätsbewertungen
Ungeschminkte Ratings

Die Bankenbranche steht kurz vor einer Selbstverpflichtung, ihren Kunden interne Bewertungen des Kreditausfallrisikos offen zu legen. „Mit der angestoßenen freiwilligen Selbstverpflichtung wäre sichergestellt, dass auch die mittelständischen Firmenkunden wissen, wie Ratingbewertungen ihrer Bank zu Stande kommen“, sagte Martin Depke, Vorsitzender des Rating-Arbeitskreises der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD).

FRANKFURT. Mitglieder der IFD sind unter anderem alle wichtigen Banken inklusive Bundesbank und KfW sowie das Bundesfinanzministerium. Sie plant, die Selbstverpflichtung im Herbst in Kraft treten zu lassen (siehe „Bisher fehlt es den Ratings an Transparenz“). Eine Reihe von Finanzgruppen und Kreditinstituten hat bereits Zustimmung zu der Selbstverpflichtung signalisiert. In der Zeit vor den Eigenkapitalvorschriften von Basel II haben die Banken ihre Kreditkunden zwar auch schon durchleuchtet. Doch häufig beließen sie es dabei, Jahresabschlüsse auszuwerten und dabei auf ihre Erfahrungen mit der Wirtschaft vor Ort zu vertrauen. Nur selten erfuhren die Firmen das Urteil der Bank, obwohl sie sich durchaus dafür interessierten.

Spätestens mit der ab Januar gültigen Umsetzung der EU-Richtlinie zum Eigenkapital der Banken (Basel II) müssen die Kreditinstitute die Risiken ihrer Schuldner differenziert betrachten und für riskantere Kredite mehr Eigenkapital vorhalten. In der Praxis richten sich viele Banken schon jetzt nach den neuen Regeln und bestehen darauf, dass die Kunden sich der detaillierten Prüfung durch ein Rating stellen. Tun die Firmen dies nicht, drohen schlechtere Konditionen. Generell müssen Unternehmen mit ungünstigeren Aussichten höhere Zinsen zahlen.

Doch andererseits zahlen solide Firmen nun weniger Zinsen. „Zudem bekommen gerade Mittelständler Ansatzpunkte, wo sie noch etwas verbessern können“, sagt Claus Momburg, Vorstand der Deutschen Industriebank IKB. Die Einstellung gegenüber Ratings habe sich gewandelt – von Misstrauen zu Beginn der Diskussion um Basel II hin zu Offenheit und Wahrnehmung der Chancen.

Auch die Commerzbank beobachtet in jüngster Zeit eine größere Akzeptanz der Ratings. Rating-orientierte Beratung verzeichne in letzter Zeit starke Nachfrage, sagt Depke, der auch Abteilungsdirektor für Finanzierungslösungen bei der Commerzbank ist.

Auch externe Ratings durch Agenturen werden beliebter (siehe „Intern oder extern“). Das Familienunternehmen Meermann Bau und Invest in Berlin begann Ende 2004, sich für neue Wege zu interessieren, an Kapital zu kommen. Ein Rating durch die Creditreform Rating ergab „BBB+“, in der Immobilienbranche ein sehr guter Wert. „Die zusätzliche Innenschau schaffte bei Banken und Anlegern Vertrauen“, sagt Junior-Chef Andreas Meermann. Für den Einstieg einer Bank mit nachrangigem Kapital war eine Bewertung Voraussetzung. Das Rating kostete 25 000 Euro; die Analysten werteten nicht nur die Zahlen des Unternehmens aus, sie sprachen auch mit Firmengründer Heinz Meermann und allen Mitgliedern der Geschäftsführung.

Creditreform bietet seit sechs Jahren Unternehmensbewertungen an. „Während es anfangs etwa 30 bis 50 externe Ratings pro Jahr waren, erstellen wir derzeit mehrere hundert Ratings“, sagt Creditreform-Vorstand Michael Munsch.

Interne und externe Ratings haben gemeinsam, dass die Firmen vieles offen legen müssen, was sie früher gehütet haben, etwa Fragen der Strategie oder die Höhe der Fixkosten. Die Analysten prüfen schließlich nach, ob die Angaben plausibel sind.

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