Ohne Erbe
Nippon sucht Nachfolger

Was tun, wenn sich für meinen Betrieb kein Nachfolger findet? Diese Frage stellen sich nicht nur viele deutsche Besitzer im Pensionsalter. Ganz ähnlich liegen die Probleme in Japan.

TOKIO. Einer Studie der Beratungsfirma Mitsubishi UFJ Research & Consulting zufolge weiß ein Viertel der Chefs von kleinen und mittelgroßen Unternehmen niemanden, der ihr Lebenswerk fortführen würde. Von 4,3 Millionen Mittelständlern in Japan müssen allein aus diesem Grund jährlich mehr als 70 000 schließen. Einer Studie des Fusionsberaters Recof zufolge stieg zudem die Anzahl von Übernahmen mangels Nachfolge im Jahr 2006 auf 1 750 – 60 Prozent mehr als 2001. „Die Lage ähnelt der in Deutschland“, sagt Dirk Vaubel von der Strategieberatung Roland Berger. Die Zahl der zum Verkauf stehenden Firmen werde in den kommenden Jahren noch ansteigen.

Verzweifelt sucht etwa die Besitzerin des IT-Dienstleisters Chiyoda Denki einen Käufer. Sie hatte das Unternehmen vor sechs Jahren unvorbereitet von ihrem Vater geerbt - und wollte keine Chefin sein. „Die junge Generation pflegt andere Werte“, sagt ein Sprecher der Japanese Conference of Business Sucession, die an die Organization for Small & Medium Enterprises and Regional Innovation angeschlossen ist. Nicht alle hätten Lust, einen Familienbetrieb weiterzuführen. Außerdem seien viele Unternehmer kinderlos. Die Organisation helfe dabei, eine Auflösung der Unternehmen zu verhindern. Zusammen mit der Großbank Tokyo-Mitsubishi UFJ hat der Verband im Januar einen mit knapp 37 Mill. Euro (Sechs Mrd. Yen) ausgestatteten Fonds aufgelegt, der in kleinere Unternehmen ohne Nachfolger investieren soll.

Der Mitsubishi-Studie zufolge suchen die ratlosen Firmenbesitzer in 55 Prozent der Fälle ein neues Management außerhalb des Unternehmens, wobei die Firma zunächst im Besitz der Familie bleibt. Jeder zehnte erwägt eine Geschäftsaufgabe. 22 Prozent von ihnen stellen ihr Lebenswerk zum Verkauf – häufig über eine Mischung verschiedene Übergabemodelle. In 90 Prozent der Fälle findet eine klassische Übernahme statt. In sieben Prozent beteiligt sich das alte Management am Kaufpreis oder übernimmt das Unternehmen ganz.

Doch Übernahmen als Lösung des Nachfolgeproblems laufen nicht immer problemlos. Eine heiße Schlacht boten sich im vergangenen Jahr die Besitzerfamilie, das Management und potentielle Käufer des Gemüsesaftherstellers Q'Sai, eines damals noch börsennotierten Mittelständlers. Der 73 Jahre alte Firmengründer Tsuneo Hasegawa sprach im Frühjahr 2006 mehrere Investmentgesellschaften an, um sich bei einem Verkauf seines Unternehmens an das eigene Management einen guten Ertrag zu sichern. Der Beteiligungsfonds NIF SMBC Venture sollte schließlich den Preis auf das Doppelte des Börsenwerts treiben. Ohne sein Wissen versuchte das Management als Hauptkäufer, die Absprache zu torpedieren. Am Ende bekam Hasegawa doch den höheren Preis; dafür ist Q'Sai jetzt hoch verschuldet: Das Management hat die Kosten für die Bezahlung des Kaufs größtenteils der Firmenkasse entnommen. Auch die Übernahme der Archivierungsfirma Wanbishi durch Tokyo Marine Capital und Nomura Principal wurde teurer als erwartet. Ende dieses Monats übernimmt nun eine Tochtergesellschaft des Toyota-Konzerns den Rest der Aktien. Wanbishi leidet aber weiter unter Schulden.

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