„Oma Schmidts Masche“
Geschäftsmasche mit älteren Damen

Verständnis, vielleicht sogar Mitleid, das ist die Masche von Manfred Schmidt. Seit mehr als einem halbem Jahr liegt die Zukunft des 35-Jährigen in den Händen der Generation 50plus. Denn für seine Firma „Oma Schmidts Masche“ hat er seinen Job als Architekt an den Nagel gehängt. Jetzt verkauft er kuriose Handarbeiten, die von Seniorinnen hergestellt werden.

Selbst die Leitung von Schmidts Laden obliegt einer älteren Dame. Mit diesen Aufgaben will er seinen Mitarbeiterinnen das Gefühl geben, sie werden gebraucht und setzt darauf, dass die Menschen diese Idee unterstützen.

Das Unternehmen geht auf Schmidts Großmutter Theresia zurück. Die heute 80-Jährige griff vor ein paar Jahren zu Nadel und Faden. Die Würzburgerin kleidete Puppen in Selbstgestricktes und häkelte kleine Täschchen, die sie dann ihrem Enkel nach Stuttgart schickte. Irgendwann steckte ihr Enkel ein Handy hinein – und die Idee zu Oma Schmidts Masche entstand. Im Sommer 2006 eröffnete der gleichnamige Shop im Internet. Dort gibt es laut Schmidt inzwischen alles zu kaufen, was man Häkeln oder Stricken kann: sogar einen handgefertigten Woll-Cheeseburger.

Die Preise für die Wollwaren liegen zwischen zwei Euro für kleine Blumen-Aufnäher und 1 600 Euro für einen mit Silbermetallic-Garn umhäkelten Totenschädel aus Kunststoff. Bislang habe sich noch keine seiner Mitarbeiterinnen geweigert, eine Handarbeit zu erledigen, sagt Schmidt. Einmal habe er allerdings einen Trick anwenden müssen: Als ein Kunde einen „Schniedelwärmer“ verlangte, erzählte er seiner Großmutter, es sei ein Bananentäschchen. Als Schmidt hinterher mit der Wahrheit herausrückte, schimpfte sie nicht – im Gegenteil: Oma Theresia musste herzlich lachen. Mittlerweile ist aus der spaßigen Nebentätigkeit ein Geschäft geworden, mit dem Inhaber Schmidt seinen Lebensunterhalt bestreitet. Im Dezember 2007 eröffnete die Mascherie in der Stuttgarter Innenstadt. Das Startkapital musste er selbst aufbringen – die Banken glaubten nicht, dass man mit dieser Masche Geld verdienen kann.

Das Potenzial des Unternehmens sieht Claudia Ollenhauer-Ries vom Verband deutscher Mode- und Textildesigner vor allem bei teuren exotischen Produkten mit Kult- und Kunststatus, die auch auf Messen ausgestellt werden können. „Der Markt dürfte aber recht klein sein für diese Objekte.“ Schmidts Häkelprodukte für einen Verkaufspreis zwischen 10 und 30 Euro würden laut ihren Schätzungen maximal zehn Prozent Gewinn einfahren. Laut Schmidt trägt sich das Projekt nach Abzug von Fixkosten und Honoraren selbst.

Der Ladenbesitzer bietet zunächst vor allem Unikate an. Wenn sich die Produktinnovationen aus Omas Hand gut verkaufen lassen, geht er in die Serienfertigung. Manchmal kommen die Einfälle für neue Handarbeiten auch von Kunden, die eigens für sie angefertigte Waren bestellen.

Schmidt beschäftigt deutschlandweit 40 Mitarbeiterinnen, die er als Häkel-Omas bezeichnet. Sie bekommen Kataloge, Muster und Wolle vorbei gebracht oder zugesandt. Benötigt er neue Ware, telefoniert Schmidt die Senior-Designerinnen ab oder schickt ihnen Kurzmitteilungen aufs Handy. Wer Lust und Zeit hat, übernimmt den Auftrag. Inzwischen gesellen sich zu den Seniorinnen vermehrt Werkel-Opas. Sie restaurieren Biedermeier-Möbel, bauen Ritterburgen und sägen Ringbücher aus Hölzern und Furnieren. Wie viel die Senioren verdienen mag er nicht sagen. Den Lohn handelt er mit jedem Mitarbeiter individuell aus. Im Raum Stuttgart stehen Schmidt zehn Mitarbeiterinnen für kurzfristig abzuwickelnde Bestellungen parat.

Auch Ladenchefin Gerda Held gehört dazu. Die Seniorin werkelt lieber in der Mascherie oder berät Kunden, als zu Hause die Beine hochzulegen. „Es ist ein schönes Gefühl, nützlich zu sein“, sagt die gelernte Industriekauffrau. Offenbar empfinden zahlreiche Seniorinnen dasselbe: Derzeit warten 20 neue Häkel-Omas auf ihren ersten Handarbeits-Job bei Oma Schmidts Masche.

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