Onlineshop „Bergfreunde“
Eine Seilschaft fürs Leben

Geklettert ist Martin Theben schon lange nicht mehr. Dabei verdankt er der dieser Sportart so vieles: Beim Klettern sind er und seine künftige Frau Swantje sich näher gekommen. Seine ersten Geschäftserfahrungen sammelte er mit Kletterzubehör. Und dann gründete er mit seiner Partnerin den Onlineshop „Bergfreunde“ für Kletter- und Outdoorartikel. Seither ist die Fallhöhe der Thebens weit größer geworden.
  • 0

Das Gründerpaar hatte sich beim Studium in Hamburg – nicht gerade einem Bergsport-Eldorado – kennengelernt. Wer in der Hansestadt hoch hinaus wollte, nahm entweder stundenlange Fahrten zu den Ithklippen hinter Hannover in Kauf. Oder ging in die Halle. „In den vergangenen Jahren hat sich das Hallenklettern stark entwickelt“, sagt Martin Theben. Und parallel dazu eine Szene mit eigenem Stil. Kleine Labels, die junge Kletterer auch in der Freizeit tragen und die es in den klassischen Bergsport- oder Outdoorläden oft nicht gibt. Oder Ausrüstung für die Halle, fürs Bouldern – wie man Klettern an kleinen Felsen in Absprunghöhe nennt – oder fürs Eisklettern.

„Es gab auch keinen vernünftigen Onlineshop für Kletterer“, resümiert Theben. So entstand die Geschäftsidee: Ein Online-Outdoorgeschäft, mit Fokus auf jüngere Kletterer. Branchenerfahrung oder konkrete Onlineerfahrung hatten die Thebens nicht. Swantje hatte nach ihrem Soziologie-Studium als PR-Beraterin gearbeitet, ihr Mann hatte nach einem VWL-Vordiplom Sozial- und Wirtschaftsgeschichte studiert und während des Studiums in einer Unternehmensberatung gejobbt. „Dort habe ich gemerkt, dass alle nur mit Wasser kochen“, sagt er. Oft habe er über die Chuzpe von Unternehmern gestaunt, die Dinge ganz offensichtlich nicht im Griff hatten. Und häufig dachte er in solchen Situationen: Das kann ich besser.

Trotzdem wundert er sich heute ein wenig über den Mut, ja Übermut, mit dem sie ihre Gründung angegangen sind. Sie mieteten eine Fabrikhalle in Kirchentellinsfurt bei Tübingen, wo Martin Theben aufgewachsen ist. 190 000 Euro Startkapital brauchten die beiden zur Gründung. 50 000 brachten sie selbst mit ins Boot, den Rest stellte die lokale Sparkasse als Darlehen. „Erst mal waren sie reserviert“, sagt Theben. „Doch ich glaube, ich habe mich ganz gut verkauft.“ Zwar hatte er bereits Klettergriffe aus Polen importiert und über eine Webseite verkauft, aber das, was ihm und seiner Frau vorschwebte, war eine ganz andere Hausnummer. „Die Lieferanten haben uns für verrückt erklärt“, sagt Theben heute.

Szenetypische Labels wie Monkee, E9, oder Metolius führt der Shop neben den großen Marken. Und wenn man die entsprechenden Namen googelt, stößt man fast zwangsläufig auf die Seite von Bergfreunde. Suchmaschinenmanagement, die richtige Platzierung der Produkte im Internet, daraus hat Theben eine Philosophie gemacht. „Wenn man das verstanden hat, sagt der 30-Jährige, „ist es egal, was man verkauft.“ So kamen die Kletter-Spezialisten auch eher zufällig zu einem Top-Umsatzbringer: Crocs. Diese gelochten Plastik-Freizeitlatschen stammen zwar aus der Kletterer-Hochburg Boulder/Colorado, sind aber unter Urlaubern, Gartenarbeitern und Kantinenpersonal gleichermaßen geschätzt. Und so kaufen auch viele Nicht-Kletterer im Shop.

Heute staunen die Lieferanten über die Geschäfte. 2007 lag der Umsatz bei 1,6 Millionen Euro, 2008 bei 3,6 Millionen. „Das war das heftigste Jahr“, sagt Theben. So ein außerplanmäßiges Wachstum setze immer auch eine Lawine an Problemen in Bewegung. Größere Lagerflächen müssen her, mehr Ware muss vorfinanziert, mehr Personal eingestellt werden. 21 Mitarbeiter beschäftigen die Bergfreunde derzeit. Für 2009 rechnet Theben mit einem Wachstum von 40 Prozent und plant einen entsprechenden Stellenausbau.

Durch große Industrie-Sprossenfenster schaut Theben aus seinem Büro über die Backsteinfassaden einer ehemaligen Textilfabrik. Das nächste Klettergebiet liegt nur eine halbe Autostunde entfernt. „Wir sind jetzt hier – geschäftlich und privat – weil wir uns super ergänzt haben“, sagt Theben. Doch die gemeinsame Arbeit war auch eine Belastungsprobe für die Beziehung, wenn gemeinsame Abende gleich zu Geschäftsleitungssitzungen ausarteten. Seit Anfang des Jahres ist Martin Theben alleiniger Geschäftsführer, seine Frau Marketingleiterin. Eine der besten Entscheidungen nennt er das.

Kommentare zu " Onlineshop „Bergfreunde“: Eine Seilschaft fürs Leben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%