Organische Solarzellen
Steckdose in der Jackentasche

Die Chemieindustrie arbeitet an organischen Solarzellen aus Polymeren und Farbstoffen. Im Gegensatz zu heutigen Solarzellen sollen sie flexibel und beweglich sein - und in der Produktion weniger kosten.

KÖLN. Akku leer und keine Steckdose in Sicht? In wenigen Jahren könnte jetzt der Mantel helfen. Rundum beschichtet mit Solarzellen wandelt er Licht in elektrischen Strom um, im Innern könnte der Träger sein Handy aufladen - egal, ob er gerade auf der Fußgängerzone oder im Wald unterwegs ist.

Für diese Art der Stromerzeugung braucht die Industrie allerdings andere Solarzellen als heute. Herkömmliche Photovoltaik-Module bestehen aus Silizium auf Glasträgern, sie sind deshalb starr, zerbrechlich und unbeweglich. Die Solarzellen der Zukunft dagegen könnten auf organischer Photovoltaik (OPV) beruhen, also auf Kunststoffen und Farbpigmenten - sie wären außerdem auch noch deutlich günstiger herzustellen als herkömmliche Module.

Bis dahin muss noch viel geforscht werden. BASF, Schott, Merck und Bosch teilen sich seit Sommer 2007 die Arbeit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) steuert 60 Mill. Euro bei. Insgesamt sollen so 360 Mill. Euro in den kommenden Jahren in die Erforschung der organischen Photovoltaik gesteckt werden.

Nicht nur der Mantel könnte in zehn bis fünfzehn Jahren mit Solarzellen bedruckt sein. Das gleiche gilt für Häuserfassaden, Fenster und Dächer. So wird das Haus zum Sonnenkraftwerk. Ladegeräte für Laptop und MP3-Player würden die Sonnenenergie einfach mit einer faltbaren Folie einfangen.

"Vorstellbar sind große Folien, die man zum Campen aufs Zeltdach legt und damit seinen eigenen Strom gewinnt", sagt Karl Hensen, Projektleiter Photovoltaik bei BASF. Auch auf die Fenster eines Autos könnte man sie aufkleben oder gleich in den Lack einarbeiten. "Solch eine Folie könnte, wenn das Auto steht, den nötigen Strom für die Klimaanlage erzeugen", sagt Hensen.

Weil OPV-Zellen unabhängig vom Winkel und auch bei Bewölkung Licht aufnehmen, sind sie vielfältiger einsetzbar als Silizium-Zellen, erklärt der Experte: "Sogar in Innenräumen wie Flughäfen oder Krankenhäusern könnte so Strom gewonnen werden."

Alle vier Kooperationsunternehmen sehen große Potenziale in der OPV. "Die organische Photovoltaik ist ein vielversprechender Ansatz", bestätigt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). Ob und wann die Zellen in industriellem Maßstab gefertigt werden können, lässt sich allerdings noch nicht mit Sicherheit sagen, zu viel ist noch unerforscht.

Die Unternehmen arbeiten mit unterschiedlichen Ausgangsstoffen. Während BASF so genannte "kleine Moleküle" als Basis der Zelle verwendet, benützt Merck die langkettigen und schwereren Polymere. In Japan gibt es bereits erste Beispiele für funktionierende Polymer-Zellen. Dort werden Grußkarten verkauft, die mithilfe von Sonnenlicht in der Lage sind Musik abzuspielen.

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