Orgelbauer Exportweltmeister der schönen Töne

Der Orgelbauer Klais vertraut nicht nur auf Kirche und Heimat, er verkauft seine Instrumente weltweit. Seinem internationalen Ansehen verdankt er, dass ihn nicht die gleichen Sorgen plagen wie viele seiner Kollege: Die Branche steht vor dem Niedergang.
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Philipp Klais, in vierter Generation Geschäftsführer des Orgelbauers Klais Quelle: Pressefoto Klais Orgelbau

Philipp Klais, in vierter Generation Geschäftsführer des Orgelbauers Klais

BONN. Philipp Klais hat es nicht weit bis in die Vergangenheit. Wenn er aus seiner Wohnung in die Werkstatt unter dem selben Dach geht, tritt er zugleich ins 19. Jahrhundert.

Die Arbeiter schmelzen die Zinnbarren in gußeisernen Öfen, gießen sie auf eine meterlange Bahn, um aus dem erkalteten Metall schließlich die Orgelpfeifen zu formen. Die Blasebälge, die die Pfeifen mit Wind versorgen, schneiden sie aus unbehandeltem Schafs- oder Känguruleder, mit dem Rahmen verbunden durch aus Haut und Knochen gewonnenem Leim. Das Gehäuse bauen sie aus Baumstämmen, die nur in den Wintermonaten und bei abnehmendem Mond geschlagen werden dürfen, weil dann weniger Schädlinge das Holz durchsetzen.

Dort, in dem Gründerzeitbau in der Bonner Innenstadt, funktioniert die Welt noch wie zu Zeiten von Klais? Urgroßvater, der das Orgelbau-Unternehmen 1882 gründete. Er und seine Mitarbeiter fertigen die Orgeln in Handarbeit, vier bis fünf schaffen sie pro Jahr, hinzu kommen noch einige Restaurationen historischer Instrumente.

Klais ist ein Exot in einer hoch entwickelten Volkswirtschaft, in der Hightech-Maschinen und Serienproduktion den Takt vorgeben.

Nur eines hat der Bonner Orgelbauer mit VW, den Daimlers und Siemens? des Landes gemeinsam: Er verkauft sein Produkt in die ganze Welt. Klais ist so etwas wie der Exportweltmeister unter den deutschen Orgelbauern, seine riesigen Instrumente erklingen im Großen Nationaltheater in Peking und in Caracas, in Auckland und in den gigantischen Petronas-Türmen in Kuala Lumpur.

Klais selbst nennt sein Unternehmen mit den 65 Mitarbeitern gerne einen "Bonsai-Global-Player". Dass ihn nicht die gleichen Sorgen plagen wie viele seiner Kollegen, verdankt der 43-Jährige seinem internationalen Ansehen: Der Orgelbau darbt in Deutschland, dem von alters her wichtigsten Standort des Handwerks. Seit fünf, sechs Jahren schrumpft die Branche, von den einst 200 Betrieben seien inzwischen nur noch etwa 150 übrig, schätzt der Bund deutscher Orgelbaumeister, viele der Überlebenden mussten Mitarbeiter entlassen.

Auch der Wirtschaftsaufschwung, der derzeit das Geschäft so vieler Branchen beflügelt, geht an den Unternehmen vorbei. Der Verbandsvorsitzende Horst Hoffmann diagnostiziert lediglich eine "Stagnation auf niedrigem Niveau".

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1 Kommentar zu "Orgelbauer: Exportweltmeister der schönen Töne"

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  • Wer schon verschiedene Klaisorgeln weltweit gespielt hat, empfindet dies, als fahre er vergleichsweise
    einen 7-er bMW oder die oberste Klasse von Mercedes.

    Dahinter steht Erfahrung, Können und Ehrgeiz "im Stand der Technik".

    Der Artikel trifft vollständig ins Schwarze!
    Weiter so,Familie Klais und alle guten Wünsche
    nach bonn für das Jahr 2011.

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