
DüsseldorfSie stehen in dem Ruf, verschwiegen zu sein. Deutsche Familienunternehmen erzählen lieber weniger als mehr. Doch detaillierte Informationen zu Ertragslage und Strategie sind für Familien- und Stiftungsunternehmen durchaus kein Fremdwort. Viele berichten nicht minder ausgiebig als börsennotierte Gesellschaften. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie der Kommunikationsagentur Ergo, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF und von Roland Berger.
„Bei den besten zehn Unternehmen des Rankings herrscht der gleiche Standard wie bei den Börsengesellschaften“, berichtet Andreas Martin, Partner von Ergo, über die Ergebnisse, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Am besten informierte der Medizin-Spezialist B. Braun Melsungen AG. Das Unternehmen erhielt den diesjährigen Private-Public-Award.
Die Jury untersuchte die Geschäftsberichte von 240 deutschen Familien- oder Stiftungsunternehmen. 56 kamen in die engere Wahl, da sie detaillierte Finanzberichte veröffentlichten. So sehr der Umfang der Berichte schwankte, so unterschiedlich war auch deren Informationsgehalt.
B. Braun Melsungen AG - 84,8 Prozent der möglichen Höchstnoten
Franz Haniel & Cie. GmbH - 83,6 Prozent
Otto GmbH & Co KG - 76,8 Prozent
Heraeus Holding GmbH - 76,3 Prozent
Bertelsmann AG - 75,8 Prozent
Voith AG - 73,9 Prozent
CLAAS Gruppe - 73,8 Prozent
Adolf Würth GmbH & Co. KG - 71,7 Prozent
Lekkerland AG & Co. KG - 69,9 Prozent
WILO SE - 69,0 Prozent
Merz GmbH & Co. KGaA - 68,8 Prozent
Tüv Süd - 68,3 Prozent
Robert Bosch GmbH - 67,4 Prozent
Giesecke & Devrient GmbH - 66,3 Prozent
Schaeffler - 65,5 Prozent
Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG - 64,1 Prozent
Vorwerk & Co. KG - 63,9 Prozent
ZF Friedrichshafen AG - 62,7 Prozent
Carl Zeiss AG - 61,9 Prozent
ARAG Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG - 61,4 Prozent
Viele Unternehmen präsentieren immer noch ein Bilderbuch, statt einen exakten Finanzbericht zu liefern. Zu mehr sind sie eigentlich auch nicht verpflichtet, sie müssen ihre Daten nur im Bundesanzeiger veröffentlichen und dürfen etwa detaillierte Angaben zum Gewinn auslassen. Dass es auch anders geht, zeigt der Sieger B. Braun Melsungen. Er war im vergangenen Jahr noch auf dem vierten Rang gelandet. Besonders die Transparenz der Darstellung hatte den Juroren damals gefallen. 2010 habe das Unternehmen die Gestaltung und auch die erzählte Geschichte noch einmal deutlich verbessert. Der Geschäftsbericht 2010 erreichte jetzt mit 84,8 Prozent der möglichen Höchstnoten die beste Wertung.

Bernadette Tillmanns-Estorf, Direktorin Unternehmenskommunikation bei Braun Melsungen, fühlt sich in ihrer These bestätigt, dass Familienunternehmen die Bedeutung von Finanzberichten häufig unterschätzen. „Der Geschäftsbericht ist für uns ein wichtiges Instrument der Kommunikation“, sagt sie.
Braun verteilt das Werk im Umfang von rund 140 Seiten an Kunden und Besucher. Wie bei anderen Berichten auch, hat Braun für den Finanzbericht ein Thema gewählt. Es lautete „Wissen teilen, Werte schaffen.“