Outdoor aus Oberbayern
Meindl bleibt seinen Wurzeln treu

Der mehr als 300 Jahre alte Hersteller von Outdoor-Bekleidung, Meindl, investiert in die Logistik, um die Welt zu erobern – und zwar aus Kirchanschöring. Es ist die größte Einzelinvestition in der Firmenhistorie.
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KirchanschöringWer sich auf den Weg zu Meindl nach Kirchanschöring macht, der durchquert dunkle Wälder und ausgedehnte Wiesen, der kommt vorbei an Hügeln, kleinen Seen und malerischen Dörfern. Hier ist Oberbayern genau so, wie es sich ein Urlauber vorstellt: Ein bisschen verschlafen, in jedem Fall aber idyllisch.

„Eigentlich“, sagt Lars Meindl, „ist das der schlechteste Ort für ein Logistikzentrum, den es in Mitteleuropa gibt.“ Und trotzdem baut der Unternehmer und Miteigentümer der Wanderschuhfabrik Meindl das neue Logistikzentrum in Kirchanschöring, in Sichtweite der bayerischen Alpen und eine halbe Autostunde entfernt von Bad Reichenhall. „Aus Verbundenheit zu unserer Heimat“, betont er.

Lange hat Lars mit seinem Bruder Lukas über das hochmoderne Lager diskutiert, schließlich wird es die größte Einzelinvestition in der inzwischen 328-jährigen Firmenhistorie. Doch jetzt steht fest: Anfang kommenden Jahres rücken die Bagger an. Wie viel die 100 Meter lange und zwölfeinhalb Meter hohe Halle kosten wird, verraten die Geschwister nicht. Eingeweihte schätzen das Volumen auf etwa zehn Prozent des geschätzten Jahresumsatzes von mehr als 60 Millionen Euro.

In den meisten deutschen Konzernen wäre eine solche Investition nicht einmal eine Randnotiz einer Vorstandssitzung. Doch für eine kleine Firma, die nicht in Quartalen, sondern in Generationen denkt, ist es eine Entscheidung von ganz erheblicher Reichweite. Für die nächsten ein, zwei Jahrzehnte ist der Schuhproduzent damit auf Gedeih und Verderb an Kirchanschöring gebunden. Dazu kommt: Ein Betrieb wie Meindl geht nicht einfach so zu Banken und besorgt sich einen Kredit für einen Neubau. „Wir sind schuldenfrei und völlig unabhängig“, so Lukas Meindl.

Am Ortsrand des pittoresken Dorfs werden von 250 Mitarbeitern hochwertige Wanderschuhe fast komplett in Handarbeit hergestellt. So war es schon immer in den letzten drei Jahrhunderten, in denen stets ein Schuhmacher mit Namen Meindl in Kirchanschöring saß. Nur die Werkzeuge haben sich verändert. Unter dem Neonlicht der Fabrikhallen sitzen die Näherinnen Seite an Seite mit den Männern, die in der Hitze der Heizgeräte die Sohlen aufkleben. Ein paar Meter weiter arbeiten die Designer an den Entwürfen für das nächste Jahr. Es ist eine eingespielte Mannschaft, in der jeder weiß, was er zu tun hat.

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Meindl profitiert vom Outdoor-Boom

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  • Auch ich trage Meindl, seit neuestem den Meran für leichte Touren.
    Den Firmenhintergrund kannte ich so nicht, nun freut es mich aber umsomehr diese Entscheidung getroffen zu haben.

    Aus moralischen Gründen nehme ich nichts von Jack Wolfskin, Finanzinvestoren will ich nicht reich machen. Mammut sehe ich in diesem Bereich als Alternative.

  • Es gibt mit Sicherheit deutlich günstigere Wanderschuhe als die von Meindl. Aber wer in längeren Zeiträumen denkt und die Schuhe auch wirklich zum Wandern einsetzt, für den rechnet sich diese Investition. Zum einen halten die Schuhe bei richtiger Pflege sehr viel länger als irgend ein Billigprodukt und zum anderen tut man seinen Füßen was Gutes. Ich habe vor ca. 2 Monaten die Meindl Vakuum GTX Men gekauft und freue mich jedes Mal wieder sie anzuziehen. Außerdem gebe ich mein Geld lieber an ein mittelständisches Unternehmen, als an einen Finazinvestor oder Großkonzern.

  • auf absehbare Zeit bin ich kein Kunde mehr von Meindl, und daran ist die Firma selbst schuld: Meine "Island" von 1995 trage ich nunmehr 16 Jahre, und zwar zwei bis drei Tage die Woche, habe das dritte oder vierte Paar Schnürsenkel verschlissen, aber die Schuhe sind immer noch top, sehen von außen fast aus wie neu, nicht eine Naht gerissen, immer gut mit dem Wachs von Meindl gepflegt und deshalb auch heute noch so wasserdicht wie am ersten Tag. Habe ich gerade erst heute morgen wieder festgestellt als ich das Weihnachtsgeschenk meines kleinen Sohnes, ein RC-Boot, aus dem Dorfteich gefischt habe und dazu in 10 cm tiefes Wasser waten musste.
    Spitzenprodukt!

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