Papier
Shakespeare in die Bütt’

Die Papierbranche ächzt unter der Rohstoffkrise, dem Konsolidierungsdruck und dem Verdrängungswettbewerb. Im Eifeler Forst aber wächst und gedeiht das mittelständische Unternehmen Zerkall Renker&Söhne. Als Spezialhersteller von Büttenpapier hält sich das Unternehmen in einer Kuschelecke im Papiersegment.

ZERKALL. Es brodelt kräftig im Waldesdunkel am Mühlenweiher. Ein Propeller verquirlt im Kachelbottich Zellstoff-Fusseln, die aussehen wie Wattebausche, mit Wasser zu einer zähen Suppe. Felix Renker schöpft Pampe aus dem Zuber und quetscht das Gemisch so lange zwischen den Fingern, bis ein feuchter Knuddel übrig bleibt. "Papierfasern", sagt der Papierfabrikant. Und schaut auf den Urstoff seiner mittelständischen Schaffenskraft: Büttenpapier.

In Deutschland gibt es zwei Unternehmen, die Bütten herstellen. Aber nur das Produkt aus dem Eifel-Örtchen Zerkall hielten schon Konrad Adenauer und Helmut Kohl, die Queen und Formel-1-Legende Niki Lauda in Händen. Sämtliche Dokumente von Weltrang sind auf Edelfasern aus der Papierfabrik Zerkall Renker& Söhne gedruckt. Die Originalausgabe des Grundgesetzes prangt auf Zerkaller Papier, die Urkunde zur deutschen Einheit oder Besuchsprogramme der Queen. Und das ohne einen Großkonzern im Rücken. "Wir sind so klein, uns würde niemand schlucken" sagt Firmenchef Felix Renker. Dabei gehört sein Unternehmen zu den Weltmarktführern für Büttenpapier.

Zusammen mit seinem Cousin steuert Felix Renker in vierter Generation die Papierfabrik in Zerkall. 40 Mitarbeiter schaffen für den Familienbetrieb. Manch einer schöpft schon in Vaters oder Großvaters Fußstapfen am Bottich - auch "Bütte" genannt und damit Namensgeber für das pittoreske Erzeugnis. Der Mangel an Größe und die Spezialisierung sichern dem Unternehmen eine Kuschelecke im Papiersegment, das deutschlandweit immer stärker von Finanzinvestoren durchdrungen wird - und machen es unabhängig von den Schwankungen am Markt. Liebhaber kaufen immer. "Die Papiere sind nichts für den Massenanspruch", sagt Renker. Sein Produkt mit dem fasrigen, vierseitigen Büttenrand, der echtes Büttenpapier klar von der imitierten Version unterscheidet, zielt auf Nostalgiker - und Schreiber mit dem Hang zum Besonderen.

Ein Anspruch, der dem Unternehmen in der von Rohstoffkrise, Konsolidierungsdruck und Verdrängungswettkampf gebeutelten Branche die Eigenständigkeit bewahrt hat. Spezialanbieter wie Zerkall sind weitgehend vom Branchengeschehen abgekoppelt, heißt es beim Verband deutscher Papierfabriken (VDP).

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