Partnerschaft statt schnellem Profit
Investoren leisten Hilfe

Gerade für Mittelständler kann der Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft einen Finanzierungsschub bringen. Viele Unternehmen befürchten jedoch zu Recht, dass Private-Equity-Fonds nur einsteigen, um nach wenigen Jahren Kasse zu machen. Doch außer den auf kurzfristigen Profit ausgerichteten Investoren gibt es gerade in Deutschland auch marktnahe Spieler, die ihre Beteiligungen wirklich kennen und pflegen.

FRANKFURT. Die S-UBG-Gruppe aus Aachen gehört sechs Sparkassen aus dem westlichen Nordrhein-Westfalen. Sie investiert in etablierte Mittelständler und in Neugründungen. „Wir verdienen mit unseren Beteiligungen Geld, aber wir setzen die Akzente anders als internationale Private-Equity-Investoren“, sagt Geschäftsführer Horst Gier.

Die Investments der S-UBG kommen alle aus der Region Aachen. Mit ihren 80 Mill. Euro in zwei Fonds geht sie nur Minderheitsbeteiligungen ein. Sie versucht aber, die Unternehmen möglichst intensiv zu betreuen und vernetzt sie untereinander, wenn sie Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sieht. „Im Umgang mit den Firmen suchen wir immer eine einvernehmliche Strategie mit dem Mehrheitsgesellschafter, der im Idealfall der Unternehmer ist“, sagt Gier. Das gelte auch für den Zeitpunkt, zu dem die S-UBG die Beteiligungen Gewinn bringend weiterverkauft: „Wir achten darauf, dass der Käufer eine nachhaltige Strategie verfolgt“. Oft ist es das Management der Unternehmen selbst, das die Anteile übernimmt. Es gibt keine Zeitvorgabe dafür, Kasse zu machen – die Branche nennt das einen „Evergreen-Fonds“.

Eine Wagniskapitalbeteiligung der S-UBG ist die Firma Aixigo, eine Ausgründung der Technischen Hochschule Aachen. Aixigo programmiert Software für Anlageberatung, die beispielsweise bei der Commerzbank oder der ING Diba im Einsatz ist. „Wir wachsen seit unserer Gründung im Jahr 2000 jährlich um bis zu 50 Prozent“, sagt Mitgründer und Vorstand Erich Borsch. Er wusste es zu schätzen, dass sich S-UBG – gerade in der Zeit nach dem Jahr 2000 – langfristig bei Aixigo engagiert hat.

Nicht nur die Sparkassen, auch die Genossenschaftsbanken beteiligen sich in partnerschaftlichem Stil an Unternehmen. Neben der DZ Equity Partner des Frankfurter Zentralinstituts ist bei der Düsseldorfer WGZ-Bank die WGZ Initiativkapital angesiedelt. Sie investiert aus einem Fonds mit einem Volumen von rund 250 Mill. Euro in gut zwei Dutzend Unternehmen und gibt sowohl Eigenkapital als auch Mezzanine-Kapital, das nachrangig bedient wird. „Der Trend geht zu Mezzanine“, sagt Geschäftsführer Martin Völker. Gerade Mittelständler fühlten sich mit direkten Beteiligungen nicht wohl, weil sie Herr im Haus bleiben wollen. Als „engagierter Gesellschafter“ hilft die WGZ beispielsweise beim Controlling oder Marketing.

Auch die Auctus Management aus München pflegt ihre Investments intensiv. Sie hat etwa 100 Mill. Euro in sechs Beteiligungen gesteckt, alles Mittelständler zwischen zehn und 150 Mill. Euro Umsatz. Da sich die Unternehmer lieber mit dem Kerngeschäft beschäftigen, sucht Auctus – aus Eigeninteresse – nach Wegen, sie zu entlasten und kümmert sich beispielsweise um die Informationstechnik ihrer Schützlinge.

Auch Auctus zielt mit seinem Evergreen-Fonds auf lange Haltezeiten. „Es ist uns bei der Anbahnung unseres Engagements egal, ob das Unternehmen einen Business-Plan oder eine ausformulierte Strategie hat“, sagt Auctus-Chef Ingo Krocke. Einer seiner Leute betreut im Schnitt etwa ein Investment in Vollzeit – da ist genug Zeit, die Ausrichtung der Firma gemeinsam zu entwickeln. Enge Zusammenarbeit zahlt sich aus: Die Nürnberger Zeitarbeitsfirma Time Partner konnte Auctus nach nur zwei Jahren Haltezeit und nach einer Reihe von Zukäufen in der Branche weiterverkaufen . Ihren Einsatz hat Auctus dabei vervielfacht.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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