Paul Schall
Der Vater der Mess-Messen

Paul Schall, Erfinder der Messtechnik-Schau Control, ist einer der erfolgreichsten privaten Messeveranstalter in Deutschland. Sein Erfolg hat eine lange Vorgeschichte. Und eigentlich hat alles mit einem Misserfolg angefangen.

HB KÖLN. Paul Eberhard Schall hat in seinem Unternehmerleben nicht oft um Erlaubnis gefragt. „Wer viel fragt, wird weit geschickt“, sagt der 67-Jährige. Nicht fragen, machen – so lautet dagegen das Erfolgsrezept des wohl erfolgreichsten privaten Messeveranstalters in Deutschland. In den 44 Jahren seit Gründung seines Unternehmens ist Schall oft einen eigenen Weg gegangen. Und hat dabei meist erfolgreiche Richtungen eingeschlagen.

Schall ist inzwischen für viele hoch technisiert Branchen der „Messemacher“ schlechthin. Fachmessen der Schall-Gruppe haben sich in ihren Marktnischen oft als Leitveranstaltungen etabliert – und den Messemacher selbst zum Trendsetter für ganze Branchen gemacht. So wuchs die Sinsheimer Fachmesse „Control“ zum Gipfeltreffen der weltweiten Qualitätssicherungs- und Messtechnik-Branche. Im Mai feiert die Schau ihr 20-jähriges Jubiläum. Aller Voraussicht nach werden mehr Besucher und Aussteller als je zuvor ins Schwabenland pilgern. Ab 2007 werden die „"Control“ und andere Veranstaltungen der Schall-Gruppe voraussichtlich auf das nagelneue Stuttgarter Messegelände auswandern. Das Sinsheimer Gelände ist für Schall zu klein geworden.

Der Erfolg hat eine lange Vorgeschichte. Und eigentlich hat alles mit einem Misserfolg angefangen. Schall machte eine Lehre als Maschinenbauer und fing im Betrieb der Eltern an, der Geräte für die Papierindustrie herstellte. Bald zog er aus, um die Maschinen auf Provisionsbasis zu verkaufen. Doch so richtig erfolgreich war Schall dabei nicht. „Als 22-Jähriger wollte ich einmal einem Doktor Maschinen verkaufen. Kurz vor der Haustür habe ich aus Angst vor dem Doktortitel die Flucht ergriffen“, erzählt Schall. „Später bin ich zurückgekehrt und habe ihm drei Maschinen verkauft. Irgendwann war mir der Titel egal.“

Im Vertrieb wurde der junge Techniker trotzdem nicht glücklich. Er suchte nach einer neuen Beschäftigung. Zusammen mit einem befreundeten Grafiker kam er auf die Idee, eine Fachausstellung für grafische Maschinen in Stuttgart zu veranstalten. „Viele haben gesagt: Oh Gott, oh Gott, was will der Schall denn da erreichen“, sagt der 67-Jährige. Immerhin waren die Leitmessen damals in anderen Städten weitaus größer und bekannter. Als die Messe dann 1964 unter dem Namen „Mograma“ stattfand, war Schall einer der jüngsten Messeveranstalter Deutschlands. Womit keiner gerechnet hatte, auch Schall nicht: Die Mograma wurde ein Erfolg.

Der Rückschlag folgte ein paar Jahre später. Die Ideen des Mograma-Erfinders stimmten nicht mit denen der Stuttgarter Messeleitung über. Schall geriet mit dem Management in Konflikt – und das saß am längeren Hebel. Der junge Messemacher musste sich einen neuen Veranstaltungsort suchen. In der Provinz wurde er fündig. „Als ich in Friedrichshafen eine Kunststoffmaschinenmesse ins Leben gerufen habe, hat die ganze Welt gelacht. Wir hatten nur 45 Aussteller“, erinnert sich Schall. Von da an ging es bergauf: Auf eine Veranstaltung folgte die nächste. Die Friedrichshafener „Fakuma“ zieht heute jedes Mal bis zu 1500 Unternehmen an. Das Konzept, regionale Spezialausstellungen gegen die großen bundesweiten Messen zu veranstalten, ging auf. Ab 1975 konzentrierte sich der Schwabe vollständig auf die Organisation technischer Fachmessen. So entstand auch die Control, die sich von der Messtechnik-Spezialschau in die Weltklasse spielte.

Gegen den Strom, gegen die Großen, in die Nischen hinein – mit dieser Strategie hat der Messe-Autodidakt ein Unternehmen mit einem Umsatz von fast 30 Mio. Euro jährlich geschaffen. In den vergangenen zehn Jahren konnte die Gruppe ihren Umsatz um mehr als 50 Prozent steigern. Die Veranstaltungen des Unternehmens genießen einen guten Ruf.

Für Schall hat sich die fehlende kaufmännische Ausbildung im Nachhinein als Glücksfall entpuppt. Denn das Gespür für Trends und Neuentwicklungen braucht technisches Verständnis. „Ich habe nur Mechanik gelernt, sonst nichts“, sagt Schall. Er hat seine eigene Philosophie über seinen Job. „Wer die Idee hat, eine Fußballmesse zu veranstalten, muss natürlich verstehen, dass ein Fußball rund ist und zudem die Hintergründe nachvollziehen können. Das Wichtigste ist aber, dass ich Entscheidungen getroffen habe“, sagt der Messemacher.

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