Pensionsrückstellungen
Eher Last als Erleichterung

Änderungen im Bilanzrecht könnten viele Mittelständler teuer zu stehen kommen. Denn direkte Betriebsrenten werden künftig anders bewertet. Künftig soll die Bundesbank einen marktüblichen Zinssatz festlegen, der vermutlich höher ausfallen wird als der jetzige. Damit müssen die Rückstellungen erhöht werden.

WERTHER. Gravierende Änderungen im Bilanzrecht kommen im nächsten Jahr auf mittelständische Unternehmen zu. Denn ab dem 1. Januar 2009 tritt das so genannte Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in Kraft. Das BilMoG ist eine abgespeckte Version der International Financial Accounting Standards (IFRS) und die umfassendste Änderung des Handelsrechts seit 20 Jahren. Das BilMoG sei den internationalen Rechnungslegungsstandards gleichwertig, aber wesentlich kostengünstiger, heißt es dazu beim Bundesjustizministerium. Für Einzelkaufleute, die 500 000 Euro Umsatz und 50 000 Euro Gewinn pro Geschäftsjahr nicht überschreiten, stimmt das - denn sie sind zukünftig von der Bilanzierung nach handelsrechtlichen Vorschriften befreit.

Für alle anderen Unternehmen aber, die nach BilMoG bilanzieren müssen und ihren Mitarbeitern Betriebsrenten direkt zugesagt haben - das sind 60 Prozent aller Betriebsrenten -, wird es teurer werden. Denn in Zukunft werden deren Pensionsverpflichtungen anders bewertet. "Die Bilanzierung der Direktzusagen erfolgte bei mittelständischen Unternehmen bisher nach einem versicherungsmathematischen Teilwertverfahren", sagt Frank Neuroth, Vorstandsmitglied der Victoria Lebensversicherung, Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, Vorsorge Lebensversicherung AG sowie der ERGO Pensionsfonds AG. "Dabei wurden die Rückstellungen bisher pauschal mit sechs Prozent abgezinst."

Die Annahme dieses hohen Zinsertrages führte in der Praxis jedoch zu unzureichenden Rückstellungen in der Bilanz. Laut Gesetzentwurf soll die Deutsche Bundesbank zukünftig einen marktüblichen Zinssatz festlegen, der unter dem jetzigen liegen wird und die Aufwendungen dementsprechend erhöht. Zusätzlich müssen künftige Rentenanpassungen und die Gehaltsentwicklung der Mitarbeiter mit eingerechnet werden.

Doch bereits nach der bisherigen Bewertungsmethode sind viele Pensionszusagen nicht gedeckt. "Wir schauen uns die Rückstellungen an und sehen, dass eigentlich jedes Unternehmen eine Finanzierungslücke hat, die sich durch das BilMoG noch vergrößern wird", sagt Steuerberaterin Martina Habel aus Bielefeld. Nach HGB war diese Finanzierunglücke bisher nicht so sichtbar, denn in der Bilanz wurde nur die Höhe der Verpflichtungen selbst abgebildet, nicht aber deren tatsächliche Deckung. Der Regierungsentwurf sieht daher die Aufhebung des bisherigen Saldierungsverbots hinzu. Danach ist zukünftig das zur Finanzierung von Pensionsverpflichtungen vorhandene Vermögen mit den Rückstellungen gegeneinander aufzurechnen - so dass die Differenz klar zu Tage tritt.

Seite 1:

Eher Last als Erleichterung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%