Personalmangel
Ausländische Fachkräfte winken ab

Nun wo in vielen Unternehmen der Aufschwung an die Tür klopft, mangelt es immer mehr Unternehmen an Fachkräften. Um Mitarbeiter außerhalb Deutschlands anzuwerben, müssen allerdings zuerst bürokratische Hindernisse überwunden werden - und der Erfolg hält sich noch in Grenzen.
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KÖLN. Die positiven Signale sind deutlich: Die Krise ist in vielen Betrieben abgehakt, die Konjunktur zieht an. Doch uneingeschränkt freuen können sich die Vertreter aus Industrie und Wirtschaft darüber noch nicht. Vielen gelingt es nicht, den neuen Schwung auszunutzen, weil es ihnen an Fachkräften mangelt.

Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Jahr 2030 auf 5,5 Mio. summieren. Der Hauptgrund: Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Rentenalter, zugleich rücken zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte nach.

Deutschland solle mehr Fachkräfte aus dem Ausland anwerben, fordern Experten. Doch wie kann das gehen? Gerade der Mittelstand steht vor Problemen. „Aus eigener Kraft kann er im Ausland kaum fündig werden, weil ihm dort die Kenntnis des Personalmarkts fehlt und er die Qualität der Fachkräfte nur schwer beurteilen kann“, sagt Jörn-Axel Meyer, wissenschaftlicher Direktor beim Deutschen Institut für kleine und mittlere Unternehmen (DIKMU).

Diskussion um das Bleiberecht

Delo, ein Hersteller von Industrieklebstoffen mit Sitz in Windach bei München, versucht es dennoch. In Deutschland wirbt man auf Stellenbörsen, Hochschulmessen und mit Headhuntern um Ingenieure und Techniker. Im Ausland sucht Delo ebenfalls – doch bisher vergebens. „Ein Anwerben ausländischer Fachkräfte für unsere deutschen Standorte war bislang nicht erfolgreich“, sagt Geschäftsführerin Sabine Herold. Als Hauptursache vermutet sie das wenig attraktive Bleiberecht für Ausländer. Denn ein Aufenthaltsrecht von fünf Jahren erhält eine Fachkraft nur, wenn sie ein Einkommen von mindestens 66 000 Euro nachweisen kann. Das Wirtschaftsministerium prüft nun, die Grenze auf 42 000 Euro abzusenken. Herold begrüßt den Vorstoß: „Wir brauchen bei der Anwerbung die Unterstützung aus der Politik.“ Doch die Senkung der Einkommensgrenze allein reicht nicht: „Hochqualifizierte Kräfte sollten ein langfristiges Bleiberecht mit Option auf Einbürgerung erhalten“, sagt sie.

Probleme bei der Suche nach Spezialisten aus dem Ausland kennt auch das IT-Unternehmen Intershop aus Jena. „Wir würden gerne mehr mit ihnen arbeiten“, sagt Personalleiter Michael Meng, „aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen wirken beschränkend.“ Deshalb hat das Unternehmen 2007 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia einen Standort eröffnet. „So haben wir zumindest Zugang zum Fachkräfteangebot vor Ort“, sagt Meng. Experte Meyer sieht zudem einen Markt für Personaldiensleister: „Größere Mittelständler wären bereit zu zahlen, wenn diese ihre Angebote für die Suche nach ausländischen Arbeitskräften auf sie zuschneiden würden.“

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  • Warum sollte eine hochqualifizierte Fachkraft ausgerechnet nach Deutschland kommen? Damit sie die Hälfte des Jahres für den deutschen Sozialstaat arbeiten darf, der aus allen Nähten platzt. Da gibt es international viel interessantere Alternativen.

  • bei den ingenieuren in Europa hat sich längst rumgesprochen, dass die industrie Deutschlands sie nur 15 Jahre braucht - nach Studium und Praktikum zwischen 33 und 47. Da man in Deutschland keine über 50-Jährige haben will, beginnt dann schon wieder die Entsorgungsphase. So lässt sich keine Lebensplanung für Familie und Zukunft machen. Logisch das da die meisten abwinken

  • bürgerliche Freiheit niedrig - bürokratie übermächtig - Entgelt niedrig - Steuern hoch - Sozialabgaben hoch incl. bad return - Ueberalterung. Noch Fragen warum nach D keiner will?

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