Personalmangel
Karriere: Mit 50 Jahren aussortiert

Mittelständler stecken den Kopf in den Sand: Dass ihre Kunden wegen der Demografie immer älter werden, das haben sie erkannt und sich auch darauf eingestellt. Nur dass ihre eigenen Belegschaften ebenso altern - darauf reagieren sie laut einer Exklusiv-Studie der Commerzbank nicht.

DÜSSELDORF HB. Diese Diskrepanz belegt eine repräsentative Studie der Commerzbank, bei der 4 000 mittelständische Unternehmen befragt wurden und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. In den meisten Betrieben (53 Prozent) dominiert heute die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen - und das zeigt das Missverhältnis: Denn in den nächsten zehn bis 15 Jahren steigt das Durchschnittsalter dieser Belegschaften stark an - wogegen jüngere Kandidaten Mangelware werden. Was die Lage verschlimmert: 47 Prozent der Befragten halten es kaum - oder nur unter großen Umstellungen - für möglich, Mitarbeiter bis 67 Jahre zu beschäftigen.

Dies gilt besonders für größere Mittelständler. Bei den Kleineren halten es immerhin 64 Prozent für relativ unproblematisch realisierbar. Das Fazit der Studie: "Der Mittelstand hat das Thema Personalplanung offenbar auf die lange Bank geschoben, statt zu handeln", urteilt Markus Beumer, Vorstand der Commerzbank und zuständig für das Mittelstandsgeschäft. Vermutlich weil das Problem - trotz Facharbeitermangels - noch weit weg zu sein scheint. Anders als im Vertrieb: Heute machen 24 Prozent der Befragten 50 Prozent ihres Umsatzes mit Endverbrauchern über 50 und erwarten, dass es in 15 Jahren 39 Prozent sind. Doch auch wenn sie das Geld der über 50-Jährigen gerne nehmen - als Arbeitnehmer sind sie ungern gesehen.

Erst recht nicht bei Neueinstellungen: Insgesamt sortiert jedes zweite Unternehmen schon seit Jahren alle Stellenbewerber über 50 sofort aus. Im Mittelstand ist es weniger krass: Von den Betrieben zwischen 102 und 250 Mitarbeitern stellten immerhin 71 Prozent, bei denen mit 51 bis 100 Mitarbeitern 67 Prozent Leute über 50 ein. Unterm Strich sind es jedoch nicht viele, ihr Anteil betrug an der Gesamtbelegschaft im Schnitt nur ein Prozent. Bei Firmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern macht der rund vier Prozent aus. Commerzbank-Vorstand Beumer: "50 scheint eine Schallgrenze zu sein, ab dann gilt man als älter - obwohl diese Grenze nicht mehr adäquat ist".

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