Personalsorgen
Speditionen klagen über Fahrermangel

Weil entsprechend ausgebildetes Personal fehlt, können Speditions-Unternehmen rund 10 000 Stellen nicht besetzen. Zwar unterzeichnete die Transportbranche vergangenes Jahr doppelt so viele Ausbildungsverträge wie in 2006 - die positiven Zahlen täuschen jedoch über ein strukturelles Problem hinweg.

KÖLN. Transportunternehmer aus ganz Deutschland spüren den Mangel an qualifizierten Fahrern. Nicht so Michael Diebel und Oliver Dachtler. Die Geschäftsführer der Spedition Diebel aus Kassel, die mit 220 Lastwagen der größte Transporteur des Paketdienstes DPD ist, blicken mit mehr Zuversicht in die Zukunft als viele ihrer Konkurrenten. Denn Diebel und Dachtler verfügen über wertvolles Kapital: 44 Auszubildende zum Berufskraftfahrer lernen bei Diebel. Fünfzehn der jungen Männer haben erst im August dieses Jahres ihre dreijährige Lehre bei dem Mittelständler begonnen.

Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. 2005 haben sich dreizehn Transportunternehmen aus Nordhessen zu einer Ausbildungsinitiative zusammenschlossen und eine Berufsschulklasse mit insgesamt 33 Berufskraftfahrern initiiertInitiativen sollen Jugendliche locken. „In diesem Jahr sind es schon 70“, freut sich Spediteur Diebel.

Trotz aller Klagen über Personalsorgen schöpfen viele Unternehmen der Transportbranche Hoffnung. Im vergangenen Jahr unterschrieben 1893 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag zum Berufskraftfahrer, meldete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das war eine glatte Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Doch die positiven Zahlen täuschen über ein strukturelles Problem hinweg: Viel zu spät hat die Branche erkannt, dass sie in der demografischen Falle sitzt. Die Alterspyramide der rund 74 0000 deutschen Kraftfahrer zeigt eine beängstigende Entwicklung: 30 Prozent sind 50 Jahre und älter, 50 Prozent 35 bis 50 Jahre alt. Lediglich 2,5 Prozent sind jünger als 25 Jahre. Ab dem Jahr 2015 werden deshalb Tausende Lastwagenfahrer aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheiden.

Die Bundesagentur für Arbeit zählt schon jetzt 10 000 freie Stellen, Tendenz steigend. In ganz Deutschland schließen sich deshalb selbst direkte Konkurrenten zu Ausbildungsinitiativen zusammen, um in ihrer Region so viele Auszubildende zu rekrutieren, dass eine Berufsschulklasse zusammenkommt. Doch eine Garantie, dass die Jugend dem Ruf folgt, bieten auch solche Initiativen nicht.

Während zum Beispiel die HTF Logistics AG aus Kerpen 30 Nachwuchsfahrer auf einen Schlag motivieren konnte, hat Spediteur Wilfried Albers aus dem Emsland bislang keinen einzigen gefunden. Das Interesse ist regional äußerst unterschiedlich. Da hilft es manchmal noch nicht einmal, wenn Spediteure ganze Schulklassen in ihren Betrieb einladen und sich von ihrer besten Seite präsentieren.

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