Pharma statt Halbleiter
Chip-Experten verlieren den Anschluss an Asien

Wer Elektronik-Fabriken baut oder beliefert, muss heute nach Thailand und Malaysia schauen, nach China und Indonesien. Und dafür sorgen, dass er dort bald auch präsent ist.

KÖLN. Ob sein Unternehmen an Halbleiter-Fabriken mitbaue? Klar, antwortet Josef Oswald, der Geschäftsführer des Reinraumtechnikers Daldrop und Huber. Aber nicht mehr so oft wie vor zehn Jahren. Denn die meisten Aufträge gibt es heute in Asien. Und seine Firma sei mit ihren 50 Mill. Euro Jahresumsatz zu klein, um dorthin mitzugehen. Deshalb habe sich ihr Schwerpunkt langsam verlagert, hin zu neuen Kunden: „Die Pharmatechnik ist stabiler.“

In Europa ist nur noch wenig zu holen, sagt Lothar Gail, der Obmann des Reinraumtechnik-Fachausschusses beim Verein deutscher Ingenieure. Unternehmen in Deutschland verlegen sich derweil auf lukrativere Projekte wie Pharmawerke. Unter den Reinraumprojekten gehören Halbleiterfabriken-Markt sowieso schon zu den größten. Gleichzeitig gelten bei ihnen die strengsten Anforderungen: Auf modernen Chips sitzen die Leitungen so eng beieinander, dass jedes Staubkörnchen einen Kurzschluss auslösen kann. Beide Faktoren machen Halbleiter-Fabriken zu den teuersten Projekten der Branche - eine Chipfabrik kann locker 700 Millionen Euro kosten.

Wenn dann auch noch die Aufträge nach Asien abwandern, bleiben in Europa nur die größten Anbieter übrig - wie zum Beispiel M+W Zander aus Stuttgart. Bis Dezember war das eine Tochter von Jenoptik, dann hat Jenoptik die Mehrheit an den Finanzinvestor Springwater Capital verkauft. M+W Zander rechnet sich gute Chancen aus, den Auftrag für die dritte AMD-Chipfabrik in Dresden zu erhalten, die Ende Mai angekündigt wurde. Schließlich hat das Unternehmen schon die ersten zwei gebaut.

M+W Zander hat im Dezember 2004 den Sitz seiner Halbleiter-Reinraumtechnik komplett nach Singapur verlegt hat. „Selbst unsere europäischen Kunden sind auf Asien fokussiert“, sagt Sparten-Geschäftsführer Klaus Gärtner. Sein Geschäftsbereich macht inzwischen rund 60 Prozent seines Umsatzes in Asien.

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