Pioniere der Einheit
Die Zahnfee und ihr Abenteuer Ost

Die Dresdner Zahnpastawerke haben mal den Markt beherrscht. Dann kamen Kriege, dann die DDR, nach der Wende wollte die Treuhand die Dredner Dental-Werke abwickeln. Doch drei Menschen haben einen Weg aus der Krise gefunden - und eine Nische: Nicole Schendekehl, 45, die Geschäftsführerin aus Köln. Birgit Heroldt, 56, die Marketingchefin aus Dresden. Und Helmut Röschinger, 66, der Investor aus München.

DRESDEN. Die Kanalisation kämpft, unaufhaltsam suppt die Brühe in die Kellerräume der Dresdner Dental-Werke. Es ist der Sommer 2002, und die Jahrhundertflut tost heran. Nichts hatte den Zahnpastahersteller umhauen können; weder Kaiserreich noch Faschismus, weder Sozialismus noch Kapitalismus. Bis zu diesem Nachmittag.

Ein Mitarbeiter klopft an Nicole Schendekehls Bürotür. "Die Welle kommt." Hubschrauber donnern durch die Luft, Sirenen plärren. Es ist ein bisschen wie im Krieg. Am Abend bläst Schendekehl zur Gegenoffensive. Die halbe Firma rückt an, Schubkarren wuchten, Sand in Tüten stopfen, knietief im Wasser stehen. Bis ein Uhr nachts.

"Die Lederstiefel waren hinüber", sagt Schendekehl, die Chefin aus dem Westen.

"Das war ein toller Zusammenhalt", sagt Birgit Heroldt, ihre Marketingleiterin aus dem Osten.

Bei der Dental GmbH-Kosmetik in Dresdens Neustadt findet die Wiedervereinigung zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung statt. Und aus Abstieg Ost wird endlich Aufbau Ost.

Lange hatte es nicht danach ausgesehen.

Nach der Wende ist die Lage desolat: Monopol weg, Markt weg, von 500 Mitarbeitern sind 90 geblieben. Der einstige VEB Elbe-Chemie hat versucht, sich in die Zwänge einer GmbH zu quetschen. Lange war das so, als wolle man Zahncreme zurück in die Tube drücken. Dann kommt die Flut, die Mitarbeiter retten ihr Unternehmen eben noch so, und endlich spielen Ost und West bei Dental Kosmetik keine Rolle mehr.

Von nun an arbeitet zusammen, was zusammengehört. Nicole Schendekehl, 45, die Geschäftsführerin aus Köln. Birgit Heroldt, 56, die Marketingchefin aus Dresden. Und Helmut Röschinger, 66, der Investor aus München. Aus West, Ost, Süd wird eins.

Nicole Schendekehl, 1,80 Meter, Jeans und Cowboystiefel, hat sich das blonde Haar zum Zopf gezwirbelt und auf die Nase eine Brille geklemmt. Den rheinischen Dialekt hat sie auch nach 15 Jahren nicht abgelegt. Warum auch? Die Sachsen, sagt sie, seien eigentlich wie die Kölner: "hart, aber herzlich". Auch deshalb ist sie geblieben. Sie hat es nicht bereut.

In Deutschland werden jährlich Zahn- und Mundpflegemittel für rund 1,32 Milliarden Euro verkauft. Gaba und GSK beherrschen diesen Markt mit Marken wie Odol Med3, Aronal und Elmex. Jede zweite in Deutschland verkaufte Zahnpastatube stammt aus ihrer Produktion. Ein weiteres Viertel des Marktes teilen sich die Multikonzerne Colgate, Henkel und Procter & Gamble; Unilever kommt auf rund fünf Prozent, der Handel und ein paar kleine Anbieter auf etwa sieben Prozent. Dental versteht sich selbst als Nischenanbieter. Die Chefin findet, dass sich das Unternehmen in dieser Nische gut entwickelt.

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