Pitch Club: Gründer an der Nadel

Pitch Club
Gründer an der Nadel

Erfinder einer Steuer-App, Online-Kaffeeverkäufer, Rollatoren-Hersteller: Obwohl Frankfurt das Image der Stadt der Banken und des „Big Business“ hat, gilt es als Start-up-Nirvana. Gründer im Pitch Club wollen das ändern.

FrankfurtStuhl und Tätowierer-Ausrüstung sind an diesem Tag nur durch die Leinwand versteckt. Die ist auch nötig, auf ihr präsentieren die Kandidaten schließlich ihre Konzepte. Rechts davon hängen vier Rundspiegel, in Leder eingefasst. Wer sich nicht tätowieren lassen will, kann sich hier normalerweise auch die Haare schneiden lassen. Eine Tafel gibt Hinweise für den richtigen Umgang mit Bartöl. Gesichtsbehaarung dominiert auch an diesem Tag. Der Pitch Club hat an diesem Tag zur achten Ausgabe geladen. Ins „The Legends“, einem angesagten Frankfurter Trendladen nahe der Einkaufsmeile Zeil mit dem bunten Konzept aus Bar, Friseursalon und eben Tattoo-Studio.

Zehn Start-ups präsentieren vor knapp 100 Zuhörern ihre Konzepte. Jeder hat exakt sechs Minuten Zeit, eine Glocke beendet ganz analog jede Präsentation. Auf die Bühne kommen ein Entwickler einer Steuer-App, die Erfinder einer Überweisungs-App für Migranten, aber auch Kaffee-Verkäufer im Internet oder ein Hersteller von Elektro-Rollatoren. Und auch ganz handfestes wie ein Buchungsservice für Handwerker oder die Gepäcklieferung zum Flughafen via App. Neue Ideen braucht es schließlich überall.

Das gilt auch für den Umgang miteinander. Man ist sofort beim „Du“, daran gewöhnen sich auch die Investoren schnell. „Du Andreas, kannst Du mal sagen, wie Du Dich von den vielen anderen Steuerprogrammen differenzieren willst, die es schon gibt“, fragt einer nach der ersten Präsentation Andreas Reinsch, den Mann mit der Steuer-App. Der erzählt bereitwillig, wie hiermit bereits das ganze Jahr über Belege abfotografiert werden können, die dann sofort in die Steuererklärung einfließen. An Neujahr könnte so bereits die Steuererklärung stehen. Dass bisher so irre komplizierte Dinge auch so einfach gelöst werden können, denken jetzt viele.

Dabei sind kritische Fragen durchaus erwünscht. Und für lange Erklärungen ist hier eh nicht der richtige Ort. Der Raum ist klein und heiß, die unbequemen Klappstühle sind eng gestellt. Zwei bis drei Fragen sind das Maximum nach jeder Präsentation, der Rest kann später ein Stockwerk tiefer beim „One-on-One“ geklärt werden. An kleinen Tischen kommt es dann zu einer Art Speed-Dating zwischen Start-up-Unternehmer und Investor.

Damit waren die Teilnehmer der vergangenen sieben Veranstaltungen durchaus erfolgreich. 58 Teilnehmer gab es bislang, über 40 Prozent von ihnen haben seither über die Investoren im Pitch Club eine Finanzierung erhalten. Mehr als 10 Millionen Euro flossen insgesamt. Für übliche Frankfurter Geldgeschäfte ist das sicher eine überschaubare Summe, für die Start-up-Szene hingegen ein Betrag, mit dem sich eine Zeit lang arbeiten lässt. Große Namen wie die Deutsche Bank oder PwC gehören zu den Sponsoren der Veranstaltung.

Manche Präsentation wäre in einer späteren Unternehmensphase sicher ausgereifter, aber die Initiatoren suchen bewusst sehr junge Start-ups. Solche in einer „Early Stage-Phase“, wie es im Branchenjargon heißt. E-Movements, der Hersteller elektrischer Rollatoren, wurde beispielsweise erst am 1. Juni gegründet.

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