Plasmatechnik
Mit dünnen Schichten dick im Geschäft

Plasmatechnik entwickelt sich zum Wachstumsmarkt. Sie hilft nicht nur, Oberflächen belastbarer zu machen – die leitfähigen Gase dienen auch dazu, verschmutzte Bauteile zu reinigen und Kunststoffteile zu beschichten. Die Bandbreite von Einsatzgebieten wird durch neue Verfahren immer größer.

BERLIN. Brillengläser sollen Alleskönner sein: Kratzfest, dabei aber möglichst so leicht, dass man sie kaum auf der Nase spürt. Weil die besten Schutzschichten nicht auf optischen Kunststoffen haften bleiben, macht die Iplas Innovative Plasma Systems GmbH die Oberfläche der Gläser mit Plasma gefügig: Nach drei bis fünf Sekunden in der Iplas-Anlage in Troisdorf können Brillenträger sie später mit ihrem Jackenärmel sauber rubbeln, ohne dass Kratzer sie ewig daran erinnern.

„Wir verändern Materialien auf atomarer Ebene“, erklärt Geschäftsführerin Hildegard Sung-Spitzer, „und zwar nur oberflächlich.“ So kommen Hochleistungswerkstoffe zusammen, die sich normalerweise nicht verbinden lassen.

Plasmatechnik hilft nicht nur, Oberflächen belastbarer zu machen - die leitfähigen Gase dienen auch dazu, verschmutzte Bauteile zu reinigen und Kunststoffteile zu beschichten. Die Bandbreite von Einsatzgebieten wird durch neue Verfahren immer größer.

„Unter den modernen Oberflächentechnologien hat sich die industrielle Plasmatechnik zu einem bedeutenden Universalwerkzeug entwickelt“, sagt Uwe Huchel, Leiter Anwendungstechnik bei der Eltro GmbH aus Baesweiler. Werkzeuge, Maschinen- und Fahrzeugteile werden schon seit Jahren durch hochbelastbare dünne Schichten gegen Rost und Verschleiß geschützt, die Spezialisten per Plasma-Technik befestigen.

Auch Datenträger lassen sich mit der vergleichsweise jungen Technologie herstellen - außerdem Oberflächen, die verhindern, dass der Körper Implantate abstößt. Bekannt ist das Verfahren von der Beschichtung Wärme dämmender Fensterscheiben und Flachbildschirmen.

Physiker sprechen von Plasma, wenn Gas unter hohen Temperaturen und Druck elektrisch leitfähig wird („Leuchtendes, elektrisches Gas im technischen Großeinsatz“). Dann kann es Oberflächen gezielt verändern. Schon weit verbreitet sind superharte Schichten mit diamantähnlichen Eigenschaften. Sie schützen Bleche vor Verschleiß, Reibung und Korrosion und bestehen aus Kohlenstoff.

Das Verfahren dazu heißt „Chemical Vapor Deposition“ (Plasma-CVD). Es kommt mit 150 bis 200 Grad Celsius aus und eignet sich deshalb auch für weniger wärmebeständige Werkstoffe. Ganz im Gegensatz zur „Physical-Vapor-Deposition“ (Plasma PVD), bei der das Gas eine Prozesstemperatur von 500 Grad erreichen muss.

Iplas hat seine eigene, „Cyrannus“ genannte Methode sogar patentieren lassen: Die Spezialisten aus dem Rheinland erzeugen Plasma durch Mikrowellen. Dabei genügen ähnliche Frequenzen wie bei herkömmlichen Geräten in der Küche, erklärt Iplas-Chefin Hildegard Sung-Spitzl. Das macht die Sache wirtschaftlich, zuverlässig und vor allem gut handhabbar. „Man braucht keine Kammer, in der Werkstücke gesammelt werden, sondern die Anlage lässt sich problemlos in die Fertigungslinie integrieren“, sagt die Chefin, die gern von „unauffälliger Plasmatechnik“ spricht.

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