Polen wird Standort für Produktion
Deutsche Firmen verspielen Chancen im LCD-Geschäft

Asiatische Konzerne errichten in Polen enorme Kapazitäten für die Fernsehgeräte-Produktion. Für diese Firmen ist es angesichts der Einfuhrhemmnisse profitabler, Geräte für den europäischen Absatzmarkt direkt vor Ort herzustellen. Viele Zulieferer folgen ihnen bereits. Bleibt die Frage, ob von diesem Kuchen auch ein Stück für deutsche Firmen abfällt.

bfai WARSCHAU. Im Jahr 2010 werden in Europa voraussichtlich 45,5 Mill. Fernseher verkauft (2005: 11,8 Mill.). Etwa 35 Mill. Stück könnten zu diesem Zeitpunkt aus Polen kommen (2005: 1,45 Mill.) sollten sich die Ankündigungen der Unternehmen, die in die Flatscreen-Produktion in unserem Nachbarland investieren wollen, bewahrheiten. Der Wert des europäischen Gesamtmarktes wird auf 43 Mrd. bis 44 Mrd. Euro beziffert. Drei Viertel davon dürften also in Zukunft "Made in Poland" sein.

"Mit der Fabrik in Torun wollen wir einerseits die hohe Nachfrage nach LCD-TVs in Westeuropa besser bedienen können und dabei die time to market verkürzen", erklärt Hans Kleis, CEO Sharp Electronics Europe. "Andererseits investieren wir mit der neuen Fabrik bewusst in Osteuropa, denn Länder wie Polen, die Tschechische Republik, Ungarn und die Slowakei zählen zu den stark wachsenden LCD-TV-Märkten Europas und werden in Zukunft immer bedeutender."

Mit JVC aus Japan, die in Boleslawiec investieren will, und Samsung aus Korea (Biskupiec Podgorny bei Wroclaw) stehen weitere Branchenriesen in den Startlöchern. Auch taiwanische Firmen wie TPV, Quanta Computer und Proview planen Engagements. Sony dagegen hat sich für seine europäische Fernsehgeräte-Produktion die Slowakei als Standort ausgesucht.

Sharp denkt auch an den Bau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Polen. Denn dort gebe es genügend ausgebildete Ingenieure, sagen Firmenvertreter. Um solche Investitionen bewerben sich ebenfalls Deutsche und Briten. Noch ist nicht absehbar, wer die Nase vorn haben wird.

Polnische Unternehmen investieren ebenfalls in die LCD-Fernsehegeräte-Produktion. Pronox aus Katowice zum Beispiel will seine Kapazitäten von derzeit 500 000 Stück pro Jahr bis 2009 auf 2 Mill. ausweiten. Investitionen in die Montage von LCD-Fernsehern seien in Abhängigkeit vom Verkaufsmodell sehr rentabel, die komplette für 2007 geplante Produktion habe Pronox bereits verkauft. Das oberschlesische Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem zweistelligen Gewinnzuwachs.

Inwieweit deutsche Unternehmen vom derzeitigen Flatscreen-Boom in Polen profitieren können, ist fraglich. Vom Handel gewiss. Zulieferteile beziehen die asiatischen Konzerne aber zum großen Teil aus ihrer Heimat. Außerdem sollen in Polen nicht nur Fernseher gebaut werden. LG Philips LCD errichtet in Kobierzyce und Sharp in Torun große Kapazitäten für die Produktion von LCD-Modulen. Und erste Subunternehmer folgen bereits.

Sechs mittelgroße Zulieferfirmen von LG Philips LCD beabsichtigen in der Gegend um Wroclaw Produktionsstätten für 292 Mill. Euro zu errichten, in denen mit der Zeit 7000 Menschen Beschäftigung finden sollen. Die volle Kapazität wollen sie in den Jahren 2009 bis 2011 erreichen. Ebenso haben Zulieferer von Sharp bereits angekündigt, nach Polen zu gehen. Auch Samsung sucht einen Standort für seine europäische LCD-Paneelen- und Haushaltsgerätefabrik, hat dabei neben Polen aber auch die Slowakei und Ungarn im Visier.

Ein Riesenmarkt, bei dem es längst nicht nur um Fernseher geht - LCD-Bildschirme werden auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt wie Handys, Uhren, Laptops, Computermonitoren, bei unterhaltungselektronischen Geräten für Autos oder Flugzeuge. Außerdem dürften schon bald Farbdisplays Plakatwände ersetzen, gigantische Monitore Live-Events zeigen und statt über Projektoren auf Leinwänden werden Kinos Filme auf Riesen-Displays vorführen. Die Nachfrage nach LCD-Paneelen wird in Zukunft enorm sein.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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