Politiker haben ungewöhnlich intensiv mitgekämpft
Vietnam: U-Bahn-Auftrag soll deutsche Firmen ins Geschäft bringen

Deutsche Firmen wollen ihr Engagement in dem asiatischen Boomstaat Vietnam deutlich ausbauen. Während der Deutschlandvisite des vietnamesischen Premierministers Nguyen Tan Dung ab Donnerstag ist die Unterzeichnung mehrerer Wirtschaftsabkommen geplant. Außenminister Steinmeier sieht vor allem für ein deutsches Unternehmen gute Chancen.

HANOI. "Leuchtturm-Projekt" soll der Großauftrag für die Siemens AG sein, die geplante U-Bahn in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, mit Zügen, Signal- und Steuerungssystem auszustatten. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Entscheidung zugunsten des deutschen Anbieters fällt", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach Abschluss seines Besuchs in Vietnam.

Dem 800-Millionen-Euro-Projekt geben Berlin und die deutsche Industrie strategische Bedeutung. Erstmals seit Jahren würde ein deutsches Unternehmen wieder einen Auftrag im asiatischen U-Bahnmarkt erhalten, der von Japanern und Franzosen beherrscht wird. Das Projekt soll zudem Signal für ein viel breiteres deutsches Engagement in dem Land sein.

Japanische Firmen haben bereits die Zusage für die erste Linie in der Ho-Chi-Minh-Stadt mit rund neun Millionen Einwohnern erhalten. Sollte Siemens den Zuschlag für die zweite Linie bekommen, dürfte dies rund 600 Arbeitsplätze in Deutschland und Österreich sichern.

Deutsche Politiker haben ungewöhnlich intensiv um den Auftrag mitgekämpft. Die Planungen gehen dabei zurück in die Amtszeit von Gerhard Schröder, der Vietnam bereits eine deutsche Mitfinanzierung beim U-Bahnbau zugesagt hatte. Ende vergangener Woche setzte sich dann Vizekanzler Steinmeier in seinen Gesprächen mit dem Premierminister sowie den Chefs der kommunistischen Partei in Ho-Chi-Minh-Stadt und der Region für Siemens ein.

Als entscheidend für einen Erfolg gilt, dass die Bundesregierung, Österreich und die Europäische Investitionsbank (EIB) jetzt ein ganzes Finanzierungspaket geschnürt haben. So bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages vor zehn Tagen einen Zuschuss von 85,75 Mill. Euro aus Mitteln der Außenwirtschaftsförderung im Etat des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) flankiert dies mit einem Kredit von 155 Mill. Euro. Die Austrian Development Bank steuert 35 Mill. Euro bei, weil ein Teil der Siemens-Ausrüstung aus Österreich kommen soll. Die Europäische Investitionsbank bietet weitere 150 Mill. an. Vietnam hatte ein großzügiges Finanzpaket zur Bedingung bei der Ausschreibung gemacht.

Angesichts der hohen Wachstumsraten und des vorsichtigen Privatisierungskurses der kommunistischen Führung in Hanoi verstärken weitere deutsche Dax-Konzerne und Mittelständler ihr Vietnam-Engagement. Siemens und Hochtief etwa bewerben sich um den milliardenteuren Bau des Großflughafens von Ho-Chi-Minh-Stadt - auch dies wird von der Bundesregierung politisch flankiert.

Der Premierminister wird auf seiner Deutschland-Reise zudem mit Deutsche Telekom-Chef René Obermann zusammentreffen. Die Deutsche Bank rechnet sich Chancen aus, ihren Anteil von zehn Prozent an der Habu-Bank auf 20 Prozent aufstocken zu dürfen. Die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport interessiert sich für den Betrieb des geplanten Flughafens in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die KfW wiederum wird diese Woche einen Rahmenvertrag mit der vietnamesischen Entwicklungsbank unterzeichnen, der eine Förderkreditlinie über 100 Millionen Euro vorsieht. Und der Metro-Handelskonzern will sein Netz von bisher acht Großmärkten in Vietnam ausbauen.

Parallel dazu weitet die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit Vietnam aus: Während Steinmeiers Besuchs wurden in Hanoi Verträge über die Gründung einer deutsch-vietnamesischen Universität und über einen Rechtsstaatsdialog unterzeichnet. Zudem verabredete er mit dem Premierminister die Gründung einer deutschen internationalen Schule in Vietnam und regte ein "Deutsches Haus" in Ho-Chi-Minh-Stadt an.

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