Postbank-Studie
Fachkräftemangel kostet Wirtschaft acht Milliarden

Der Mangel an Fachkräften wird immer mehr zu einer Hürde für den Aufschwung und verursacht Milliardenverluste. Die offenen Stellen beschränken sich keineswegs auf die IT-Branche. Gesucht werden außerdem Ingenieure, Techniker, Ärzte und Betriebswirte.

HB BERLIN. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr mindestens acht Mrd. Euro niedriger ausfallen, sofern zehn Prozent der offenen Stellen dauerhaft nicht besetzt werden, hieß es am Donnerstag in einer Studie der Postbank. „Dies ist die Kehrseite der insgesamt sehr erfreulichen Entwicklung am Arbeitsmarkt“, sagte Chefvolkswirt Marco Bargel. Dem müsse mit mehr Ausbildungsplätzen und höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung begegnet werden. Zudem sollten die Regeln zur Einwanderung ausländischer Fachkräfte verbessert werden.

Im März registrierte die Bundesagentur für Arbeit 640 000 offene Stellen - gut 130 000 mehr als vor einem Jahr. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet sogar mit 1,6 Millionen. In den kommenden Monaten sei ein Anstieg auf zwei Mill. möglich. Die durchschnittliche Zeit, in der eine Stelle unbesetzt blieb, stieg der Postbank zufolge im gleichen Zeitraum von 42 auf 64 Tage.

Gesucht werden nach IW-Angaben Techniker, Ärzte und Betriebswirte. Auch am Bau sind Fachleute inzwischen in einigen Regionen rar, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. Doch die meisten Fachkräfte fehlen in der Technologiebranche und bei Ingenieuren. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bezifferte kürzlich die Zahl offener Ingenieursstellen auf 23 000. Das ist fast ein Drittel mehr als 2006. Allein dies koste die Wirtschaft jährlich rund 3,5 Mrd. Euro, rechnete VDI-Direktor Willi Fuchs vor. Die größten Probleme bei der Suche nach Ingenieuren hätten Unternehmen im Maschinenbau und der Elektroindustrie.

In den IT-Branche sind 20 000 offene Stellen zu besetzen. „Den größten Bedarf haben Software-Anbieter und IT-Dienstleister“, sagte Bitkom-Präsident Willy Berchtold. Dieser Mangel dürfte sich der Postbank-Studie zufolge weiter verschärfen: Seit 2000 sei die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik um ein Viertel auf etwa 28 000 gesunken.

Angesichts der Klagen der Unternehmen will die Union den Zuzug von Spitzenkräften aus dem Ausland erleichtern, stößt damit bei der SPD aber auf Ablehnung. Die christlichen Parteien wollen das Mindestgehalt senken, das Ausländer als Voraussetzung für eine Aufenthaltserlaubnis erzielen müssen: auf 63 000 Euro von derzeit 85 500 Euro im Jahr. Dies ist seit Monaten ein Streitpunkt in der Koalition.

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