Pralinenmacher Nihant
Süße Abrüstung

Früher entsorgte Benoît Nihant Cruise Missiles für einen belgischen Rüstungskonzern. Dann wandte er sich der Schokoladen-Seite zu - und lernte das Pralinenmachen. Nihants Kreationen entwaffnen auch die letzten Kritiker seines ungewöhnlichen Berufswechsels.

Diplom-Kaufmann. Das steht auf Benoît Nihants Abschlusszeugnis, das der Belgier 1998 an der kaufmännischen Schule HEC in Lüttich gemacht hat und das nun irgendwo in einer der unteren Schubladen seines Schreibtischs im Arbeitszimmer liegt; tief vergraben unter Papier und Krusch. Das Zeugnis gehört zum alten Leben von Benoît Nihant, zu dem, das der heute 35-Jährige vor knapp vier Jahren aufgegeben hat; es gehört zu seinem Leben als erfolgreicher Manager in der belgischen Rüstungsindustrie.

Damals war er Projektleiter beim Stahlhersteller CMI in Lüttich. Er verantwortete die Instandhaltung der Militärfahrzeuge und kontrollierte die Abrüstung belgischer Missiles-Raketen. "Wir haben alle Stück für Stück auseinander gebaut. Das war ziemlich amüsant. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht", erzählt Nihant und blickt durch seine kugelrunden Brillengläser. Sieben Jahre lang war er Benoît Nihant, der Diplom-Kaufmann. Aber dann war es genug. Er wollte Benoît Nihant, der Chocolatier, sein. Er wollte endlich seiner Leidenschaft nachgehen: der Schokolade. "Ich hatte nie Probleme in der Schule, ich habe das gemacht, was man von mir verlangt hat. Aber wirklich glücklich war ich beim Backen in der Küche." Heute, nur knapp vier Jahre nach seinem Ausstieg aus dem Managerjob, hat er es geschafft. Benoît Nihant zählt zu den ganz großen belgischen Chocolatiers.

Er steht am Fließband seiner kleinen Produktion im belgischen Embourg, ein paar Kilometer von Lüttich entfernt. Das Band hat nichts gemein mit industrieller Produktion. Es ist nur rund 30 Zentimeter breit und hilft Nihant lediglich, die Pralinen von einem Produktionsschritt zum nächsten zu transportieren. Sonst ist hier fast alles Handarbeit. Nihant trägt einen schmalen roten Schal um den Hals, der die Helligkeit seiner sauber gescheitelten, blonden Haare zusätzlich unterstreicht. Sie stehen in einem krassen Gegensatz zu der tiefdunklen, flüssigen Schokolade, die an feinen Drähten entlang über die vorgeschnittenen Pralinen läuft. Später entsteht daraus die feine Umhüllung der Pralinen.

"Wir arbeiten nur mit hochwertigem Kakao aus der Gegend um den Äquator. Der Geschmack variiert von Kakaobohne zu Kakaobohne, von Anbaugebiet zu Anbaugebiet, je nach Sonneneinstrahlung und Jahr", erklärt Nihant und streicht über den kleinen Bauchansatz über der Jeans: "Ich esse noch immer unglaublich viel davon. Ein paar Kilo mehr habe ich schon, seit wir mit der Pralinenproduktion angefangen haben", sagt der Chocolatier und lacht. Das sei, fügt er hinzu, eben Berufsrisiko.

Seine Kreationen haben nichts mit den schweren, typisch belgischen Pralinen gemein. Sie sind nicht sehr fett oder süß. Nihant sucht ungewöhnliche Geschmackskombinationen. Er geht an der Wand seiner kleinen Produktionshalle entlang und lässt seinen Blick über die Regale schweifen. Da gibt es Tüten mit Sternanis, Pfeffer und Minzblättern. Nihant verwendet keine Aromastoffe, alle Zutaten sind natürlich. Mittlerweile zählt die Kollektion 29 verschiedene Pralinen: von "salzigem Karamell" über Rose bis hin zu verschiedenen Varianten reiner, sehr kakaohaltiger Schokolade.

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